Hallo alle zusammen,
heute möchte ich Euch ein bisschen über die Ereignisse der letzten beiden Wochen
und meine Projektstelle berichten.
Zuerst einmal möchte ich
aber kurz über mein „Zeitgefühl“ hier sprechen. Im Vergleich zu meinem ersten
Blogpost hat sich daran eigentlich nicht viel geändert. Obwohl ich mittlerweile
„schon“ 1 ½ Monate in Ghana bin, kommt es mir auf der einen Seite überhaupt
nicht so vor. Manchmal hat man das Gefühl, dass man erst seit eins zwei Wochen
hier ist, da es immer noch so viel Neues zu erkunden gibt. Im nächsten
Augenblick kann es dann aber auch schon wieder andersherum sein und es fühlt
sich an, als wenn man schon durch aus länger hier ist, da man sich mittlerweile
schon sehr gut eingelebt hat und so langsam der Alltag einzieht. Des Weiteren gibt es Augenblicke, wo man die
restliche Zeit hier vor sich sieht und denkt:,, Oh man, das ist aber echt noch
lange..“. Ein paar Stunden später kann es dann aber auch schon wieder sein,
dass man denkt: „Ahhhh, das ist ja nur noch so wenig Zeit und ich habe noch so
viel zu sehen und noch so viele Pläne“. So viel dazu ^^
Vorletztes Wochenende gab
es die Fortsetzung von unserer Veranstaltung „YES FOR PEACE“, welche vor ein
paar Wochen stattfand und bei der für friedliche Wahlen und an die Jugend
appelliert wurden ist. Diesmal reisten wir nach Koforidua, eine Stadt in der
Eastern Region Ghanas, welche ungefähr eine bis zwei Stunden (je nach
Verkehrslage) östlich von Accra entfernt ist, um dort an den „YES FOR PEACE
GAMES“ teilzunehmen. Die ganze Veranstaltung fand an einer High School statt,
welche ziemlich groß war, da die meisten High Schools hier wie Internate
aufgebaut sind. Neben uns und der schuleigenen Mannschaft, nahmen auch viele
andere Schulen teil. Den größten Teil des Turniers sollte ein Fußballturnier
einnehmen. (Warum ich „sollte“ schreibe erkläre ich gleich). Zuerst einmal
mussten wir aber circa zwei Stunden auf unser erstes Spiel warten, da andere
Mannschaften ihre Spiele zuerst hatten. Dies war aber überhaupt nicht schlimm,
da es uns eine große Freude bereitet hat den anderen Schülern dabei zu zusehen,
wie sie ihre Mannschaft anfeuerten. Dies ging teilweise von normalen Gesängen,
Klatschen und Anfeuerungsrufen zu ausgelassen Tänzen, Schreien und
herumspringen. Nach zwei Stunden waren wir dann also endlich an der Reihe.
Leider war unser Spiel nach fünf Minuten quasi vorbei, da es auf einmal anfing
tierisch zu regnen. Am Anfang sagte ich noch zu einem aus unserer Mannschaft,
dass dies ja kein Problem sei, weil uns Deutschen das „Fritz-Walter-Wetter“
besonders liegt, aber nachdem nach 5 Minuten der Platz unter Wasser stand, die
Zelte teilweise auf dem Spielfeld aufgrund des Windes davonflogen und der Ball
nicht mal einen halben Meter weit rollte, war an Fußball nicht mehr zu denken. Anschließend trockneten wir uns drinnen so gut
es ging und aßen etwas. Nachdem wir alle wieder halbwegs trocken waren, nahmen
unsere Mädchen an einem Tauziehwettbewerb teil, bei dem die Anfeuerungsrufe der
Schülerinnen und Schüler mindestens genauso ausgelassen waren, wie beim
Fußballturnier. Unsere Mädchen lieferten sich einige hart umkämpfte Durchgänge
und belegten schlussendlich den zweiten Platz, welcher von uns frenetisch
gefeiert wurden ist. Mit einer Menge Spaß und Erfahrungen, aber auch vielen
nassen Klamotten traten wir dann die Rückreise nach Hause an.
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| DIe Fußballer |
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| "Alles geben für den Sieg" |
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| EIn Blick auf Accra von unserer Rückreise |
Letztes Wochenende war
eher ein bisschen entspannt, aber dafür ging ich samstags und sonntags in die
Kirche. Samstags wie immer mit meiner Gastfamilie. Falls ihr euch jetzt
außerdem fragt, wieso wir immer samstags in die Kirche gehen, dann liegt das
daran, dass meine Familie Adventisten sind. Im Adventismus beginnt der Sabbat,
ähnlich wie im Judentum, freitags um 18 Uhr und zieht sich bis samstags um 18
Uhr. In dieser Zeit ist jegliches Arbeiten verboten und man geht samstags in
die Kirche. Dieses Wochenende jedoch wurde ich von einer Arbeitskollegin,
welche zeitgleich auch Pastorin ist, zum Gottesdienst ihrer Kirche eingeladen.
Ich muss hier kurz sagen, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt, wie ich es auch in
einem anderen Blogeintrag bereits beschrieben hatte, dass die Kirche, die ich
mit meiner Gastfamilie besuche schon eine sehr ausgelassene Atmosphäre hatte im
Vergleich zu deutschen Kirchen. Dieser Gottesdienst übertraf jedoch alle meine
Vorstellungen. In der ersten Stunde(!) wurde nur getanzt und gesungen, und dies
nicht gerade zögerlich, was dafür sorgte, dass mir Stimmung besser
ausgelassener vorkam, als in dem ein oder anderem Club. Auch die Sänger waren
eine Klasse für sich, welche mir teilweise das Gefühl gaben, dass ich auf einem
Konzert wäre, anstatt in der Kirche. Ich denke insgesamt lässt sich diese
Kirche sehr gut mit dem Film „Sister Act“ vergleichen, also jeder der den Film
gesehen hat, sollte jetzt eine ungefähre Ahnung davon haben, wie die Stimmung
so war. Das einzige was mich ein
bisschen schockiert hat und was ich auch schon von vielen anderen Freiwilligen
gehört habe, ist die große Summe der Spenden, die hier immer während eines
Gottesdiensts eingesammelt werden.
Zum Schluss möchte ich
Euch noch ein bisschen was über die aktuelle Situation in meiner Projektstelle berichten. Vor circa drei Wochen wurde endlich der neue
Sportlehrer an meiner Schule eingestellt. Seitdem betreuen wir die Klassen
zusammen, was deutlich entspannter für uns beide ist. Die Arbeit mit ihm macht
besonders Spaß und ich denke, dass wir uns sehr gut ergänzen, besonders, da er
die nötige Strenge mitbringt, die man hier zum Unterrichten braucht. An dieser
Stelle muss ich auch (leider) sagen, dass den Schüler an meiner Schule in
manchen Fällen mit Schlägen gedroht wird. Manchmal kommt es dann auch vor, dass
die Schüler von den Lehrern ein paar Schläge mit einem Stock bekommen. Dies
hört sich jetzt natürlich erst mal sehr schlimm an, und ich möchte die
Situation natürlich nicht verharmlosen oder irgendwie besser reden, aber
dennoch kommt es an meiner Schule eher seltener vor und die Schläge sind auch
meistens nicht wirklich hart. Was ich viel trauriger finde ist, dass es schon so
weit gekommen ist, dass manche Schüler gar nicht mehr leise sind, bis ihnen mit
Schlägen gedroht wird.
Seit letzter Woche habe ich dann auch
angefangen einen anderen Lehrer in ICT
(Informatik) zu unterstützen. Jeder, der
mich ein bisschen genauer kennt, weiß, dass ich in der Schule niemals wirklich
gut in Informatik war und auch kein Computerspezialist bin. Dennoch fällt es
mir nicht so schwer die älteren Kindergartenkinder und die Klassen 1-5 in ICT
zu unterrichten, da es in diesen Klassen noch zum größten Teil um Sachen geht
wie z.B. „Wie benutze ich die Maus und was sind ihre Funktionen?“ oder „Wie
kopiert man einen Text und fügt ihn woanders ein?“. Insgesamt kann ich
aber nur sagen, dass ich mein Projekt über die letzten Wochen immer mehr lieben
und schätzen gelernt habe. Meine Kollegen sind wirklich sehr nett und
aufgeschlossen und von vielen wurde ich auch schon mal zum Essen nach Hause
eingeladen oder mal so etwas zu unternehmen, was sich in den kommenden Monaten
bestimmt auch umsetzen lässt. Besonders glücklich bin ich darüber, dass ich
bereits jetzt schon so viele Einblicke in den Beruf des Lehrers bekommen darf
und auch schon einige Erfahrungen sammeln darf, da dies ja, stand heute,
weiterhin mein Wunschberuf ist. Die
größte Freude bereiten mir jedoch definitiv die Kinder. Fast alle Kinder sind
hier immer super begeistert und zeigen eine ganz große Motivation, wenn ich sie
unterrichte und dann bereitet es einem noch mehr Freude sie zu unterrichten,
wenn man sieht, dass ihnen der Unterricht auch Spaß macht. Und wenn ich dann
mal in einer Freistunde oder in der Pause durch die Schule laufe, dann winken
mir die Kinder immer aus den Klassenräumen zu oder kommen auf mich zugelaufen.
Ich hoffe Ihr hattet Spaß
beim Lesen! Falls Ihr
irgendwelche Fragen oder ähnliches habt, dann immer her damit. In den nächsten
Einträgen versuche ich dann auch mal ein bisschen auf die Leute und die
Mentalität hier einzugehen.
Bis zum nächsten Mal,
Euer Simon



