Freitag, 25. November 2016

Alles vom ersten Deutschen Fleischer bis zu meinen glücklichen Augen



„Mema  mo aha“, oder auf Deutsch „Guten Nachmittag“,

zuerst einmal möchte ich mich dafür entschuldigen, dass mein letzter Bericht schon knapp einen Monat her ist und ich seitdem nichts mehr von mir hab hören lassen. Ein Grund dafür war auf jeden Fall, dass ich die letzten Wochenenden zum größten Teil sehr beschäftigt war und ich Euch in diesem Beitrag natürlich darüber berichten möchte, was ich so erlebt habe. 

Bevor ich dies aber tue möchte ich noch einen kurzen Statusbericht abgeben:  Mir geht’s weiterhin sehr gut hier. Nach fast 3 Monaten kann ich sagen, dass ich mich schon sehr gut eingelebt habe und in dieser Zeit das Land, die Leute und besonders den „Ghanaian way of Life“ mit all seiner Freundlichkeit, Offenheit und Gelassenheit lieben gelernt habe. Des Weiteren, und mit dem Folgenden möchte ich Euch zu Hause wirklich nicht ärgern, aber ich finde dennoch, dass es erwähnt werden sollte, ist es momentan ganz nett zu wissen, dass ich hier weiterhin (wie wohl durch das ganze Jahr) jedes Wochenende zum Strand gehen kann oder einfach draußen die super leckeren ghanaischen Früchte essen kann, während dessen es in Deutschland „ein bisschen“  kälter ist.  Außerdem finde ich es zur Abwechslung auch gar nicht so schlimm die Weihnachtszeit mit Sonne und in kurzen Hosen zu verbringen anstatt im Schnee rum zulaufen oder mehrere Schichten von Pullovern zu tragen.  So viel dazu (lach).

Vor drei Wochen haben sich die anderen Freiwilligen und ich zu einer weiteren Twi-Sprachstunde im Büro unserer Organisation getroffen. Die Sprache an sich ist zwar super interessant, aber auch sau schwer zu lernen. Das liegt auf der einen Seite daran, dass man im Gegensatz zur Schule, wo man eine Sprache mit Hilfe von verschiedenen Aufgaben, Vokabelübungen etc. im Unterricht gelernt hat, es hier zum größten Teil nur ums auswendig lernen geht, was viel Disziplin und Geduld braucht. Des Weiteren gibt es im Vergleich zu den Sprachen, die ich bisher gelernt habe weniger grammatikalische Regeln und Strukturen und die Sprache ist sehr viel „offener“, falls man das so sagen kann. Dies hört sich auf den ersten Blick erst mal sehr positiv an (und ist es bestimmt auch, wenn man sich der Sprache mächtig ist), aber für mich ist es momentan noch sehr verwirrend.  Ein Beispiel dafür ist z.B. der Satz ,,M'ni agye“, der mich am Ende dieser Sprachstunde fast zum verzweifeln gebracht hat. Eigentlich soll dies nämlich „Ich bin glücklich“ bedeuten. Gleichzeitig kann es aber auch bedeuten, dass meine Augen glücklich sind und wenn man es Wort für Wort übersetzt dann heißt es ,,Meine Augen nehmen“. 
Dennoch werde ich weiterhin versuchen Twi so gut wie möglich zu lernen, da meine Familie und meine ArbeitskollegInnen sehr viel Twi sprechen und einem die Leute hier immer beipflichten, wie einfach es doch sei die Sprache zu lernen. Außerdem hat sich eine Lehrerin an meiner Schule dazu bereit erklärt mir in unseren gemeinsamen Freistunden immer wieder ein bisschen was beizubringen.  Momentan kann ich sogar schon ein bisschen Smalltalk betreiben, obwohl dieser dann meistens damit endet, dass ich mit ratlosen Gesicht dastehe (lach). 

Nach der Sprachstunde hatten wir dann alle eine gemeinsame Tanzstunde, da geplant ist, dass wir auf der Weihnachtsfeier unserer Organisation einen kleinen Tanz aufführen. Mit der tatkräftigen Unterstützung von unseren Ghanaischen Freunden lernten wir an diesem Tag sogar drei Tanzschritte. Einmal den nigerianischen „Shoki“ und dann noch die ghanaischen „Azonto“ und „Alkayida“. Es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht die Tänze zu lernen, und alle meine Freunde, die das hier lesen, können sich schon auf das nächste Mal freuen, wenn wir feiern gehen.  
                                        
Generell ist Tanzen hier aus meiner Sicht ein wichtiger Teil der Kultur. Egal wo und wann, wenn die Musik an ist, dann gibt es auch immer Leute die mit fröhlichen Gesichter dazu tanzen. Auch bei mir zu Hause kommt es immer mal wieder vor, dass jemand kurz tanzt und dann von der ganzen Familie angefeuert wird. Ich finde davon könnten wir Deutschen uns mal ein bisschen was abschneiden.
Zum Abschluss des Abends sind wir dann noch mit zwei Leuten aus unserer Organisation und einer anderen Freiwilligen Pizza essen gegangen, weil wir dann nach 2 Monaten doch irgendwie Heißhunger auf Pizza hatten. 

Am vorletzten Wochenende machten wir uns dann alle auf zu einem Trip in die Volta Region. Gemeinsam sind wir von Accra aufgebrochen,  um nach Ho, die Hauptstadt der Volta Region, zu fahren. Vor Ort übernachteten wir in einem Hostel  für einen unschlagbaren Preis. Für zwei Übernachtungen bezahlten wir umgerechnet ungefähr 7-8€! Am Freitagabend besuchten wir die amerikanischen Austauschschüler von unserer Organisation, mit denen wir uns gemeinsam auf den Weg gemacht hatten, in deren Hotel, um dort am Pool ein bisschen zu entspannen und den schönen Ausblick auf Ho bei Nacht zu genießen. Am nächsten Morgen ging es dann auf nach Hohoe, wo wir die Wli Wasserfälle anpeilten. Der Busfahrt dahin war, wie eigentlich bisher jede längere Fahrt hier, beeindruckend und einzigartig. Zwischen den großen „Waldlandschaften“ erstrecken sich immer mal wieder Dörfer. In Hohoe angekommen mussten wir noch ca. 30 Minuten zum Wasserdall laufen. An dieser Stelle sollte ich mich wohl eher korrigieren. Wir „mussten“ nicht die 30 Minuten zum Wasserfall laufen, wir hatten die große Freude diesen wunderschönen Weg zu gehen. Der Weg zum Wasserfall führte nämlich durch einen sehr schönen Wald mit zahlreichen Pflanzen und vielen Schmetterlingen, die überall fröhlich umher folgen. Des Weiteren passierten wir immer wieder kleinere Steinbrücken, um über den Fluss zu kommen. 





Als wir dann am Wasserfall ankamen, wären uns wohl allen die Augen ausgefallen, falls dies möglich wäre. Der Anblick war einfach unbeschreiblich und noch tausendmal schöner als in jedem Film. Der Wli Wasserfall ist mit einer Höhe von ca. 70 Metern der größte Wasserfall Westafrikas. Die vielen Fledermäuse die an der Spitze umher flogen gaben dem ganzen noch einen ganz speziellen, fast schon mystischen Touch. Als wir dann noch realisierten, dass wir unter dem Wasserfall „baden“ konnten, war der Freude keine Grenzen mehr gesetzt. Obwohl der Wasserfall wie gesagt schöner als in jedem Film war, tat das da drunter stehen ebenfalls mehr weh, als es in den ganzen Filmen aussieht. Dennoch war es ein einzigartiges Erlebnis, was man auf jeden Fall nicht so schlecht vergessen wird. Besonders schön war auch, dass wir fast die einzigen Leute dort waren und der Ort nicht von Touristen überfüllt war, was hier eh meistens nicht der Fall zu sein scheint.   
Am Abend erkundeten wir dann noch ein bisschen Ho, und ließen den Abend gemütlich in einer Bar ausklingen. Dort trafen wir einen Deutschen, der schon seit 14 Jahren in Ghana lebt und der sich uns selbst als der „erste Deutsche Fleischer in Ghana“ vorstelle. Es war sehr interessant seinen Geschichten zu zuhören und besonders amüsant war es zu beobachten, wie er einige ghanaische Verhaltensweisen aufgenommen hat. 



Am Sonntag ging es dann leider schon auf den Rückweg, aber bevor wir wieder nach Accra fuhren, machten wir noch einen Zwischenstopp am Volta Stausee. Als wir am See lang fuhren konnten wir auch einen kurzen Blick auf den Staudamm werfe, welcher für die Energieversorgung ganz Accras verantwortlich ist. Anschließend gingen wir in Akosombo am Voltasee aus dem Bus und konnten uns dort an einem kleinen Hafen einen schönen Blick auf den See bekommen und bekamen anschließend auch noch eine Führung durch ein Passagierschiff, welches Leute von dort bis ganz in den Norden nach Ghana bringt. Viele von uns Freiwilligen waren sehr angetan und ich bin mir sicher, dass dies nicht der letzte Besuch auf diesem Schiff war.


Letztes Wochenende bin ich dann wieder mit meiner Familie in die Kirche gegangen. Nach der Kirche ist die gesamte Gemeinde noch durch den Ort gegangen und hat dort laute Musik gemacht, um auf die Kirche aufmerksam zu machen. Dies hat wirklich Spaß gemacht, wurde dann in der Sonne aber auch schnell anstrengend. Am Abend trafen wir uns dann noch bei einem Freiwilligen zu Hause und haben gemeinsam gekocht. Am Sonntag war ich dann größten Teils zu Hause, um u.a. meine Wäsche zu machen. Manchen von euch hatte ich ja bereits gesagt, dass meine Gastfamilie eine Wachmaschine hat, über was ich mich vor meiner Ausreise sehr  gefreut habe. Vor Ort musste ich dann leider feststellen, dass die Waschmaschine hier wenig mit unserer zu Hause gemeinsam hat. 
Hier wird nämlich einfach ein Eimer mit kaltem Wasser und ein bisschen Seife dazu gegeben und dann wird das ganze eine Stunde ,,durch geschleudert". Das Problem dabei ist, dass die Sachen zwar danach gut reichen,  aber Flecken oder Schmutz geht nicht wirklich raus. Aus diesem Grunde bin ich jetzt auch auf die Handwäsche umgestiegen, welche in Ghana eh sehr viel verbreiteter und „normaler“ ist. 
Ich muss sagen, dass mir es eigentlich sehr viel Spaß macht meine Sachen mit der Hand zu waschen, dennoch ist man auch manchmal der Verzweiflung nahe, da das Ganze dann schon mal eine längere Zeit in Anspruch nehmen kann. Aber auf der anderen Seite ist es dann auch wieder ein ganz nettes Armtraining (lach).   

"Rundgang" mit der Kirchengemeinde

Am gleichen Tag habe ich mich dann noch über andere sehenswerte Orte in Ghana erkundet und habe schon einige Orte gefunden, die ich in nächster Zeit mal besichtigen möchte.  Ich halte euch auf dem Laufenden, was ich so erlebe!