Freitag, 17. Februar 2017

Alles nur für den Lebenslauf?


Wie schon beim letzten Mal angekündigt, werde ich Euch in diesem Blogeintrag ein bisschen über meine Reise nach Weihnachten berichten. Darüber hinaus möchte ich Euch natürlich auch nicht vorbehalten, wie mein Silvester hier war und das „Mid of Stay Seminar“, welches am Anfang des Jahres stattfand. Aber machen wir eins nach dem anderen…

                     Reisetagebuch Part III: „Volta Region“

Zuerst einmal möchte ich Euch darüber erzählen, wie wir hier immer so unsere Reisen planen. Wie schon erwähnt, waren ich um Weihnachten herum bei Annika und Sarah, zwei Mitfreiwillige von mir. Wir hatten uns zwar schon darauf festgelegt, dass es diesmal in die Volta Region gehen soll, aber wohin genau, das hatten wir uns noch nicht so richtig überlegt. So guckten wir dann am Tag vor unserer Reise mal in einem Reiseführer nach, was es alles so in der Volta Region zu sehen gibt und schrieben uns dann auch noch ein paar Unterkünfte heraus, die wir in Betracht ziehen könnten. Am nächsten Tag trafen wir uns dann alle mit Franzi, einer weiteren Freiwilligen, suchten ein Tro Tro, das in die Volta Region fuhr und los konnte es gehen…

Ich finde diese Art der Urlaubsplanung sehr viel entspannter, als die meisten Urlaubsplanungen in Deutschland. Meine Mutter wird jetzt bestimmt lachen, weil sie eigentlich fast alle Urlaube in meinem Leben geplant hat, aber dennoch muss man sich ja meistens frühzeitig Gedanken machen, wo es den hingehen soll, damit man noch günstige Unterkünfte oder Flüge bekommt. Hier hingegen sucht man sich einfach sein Ziel raus, findet ein Tro Tro, was einen dort hin bringt und vor Ort findet man schon immer einen Unterkunft. Und manche von Euch werden sich jetzt bestimmt denken, in den Unterkünften, die man dann noch findet, möchte man aber eigentlich nicht freiwillig schlafen. Dies trifft aber bisher noch gar nicht auf meine Erfahrungen zu. Alle Hostels, die ich bisher hier besucht habe, waren gut ausgestattet und hatten alles vor Ort, was man so braucht.

Unser Ziel war diesmal Ho-Hoe, einer der größeren Städte in der Volta Region. Auf dem Weg dorthin machten wir jedoch einen Stopp an der „Tafi-Atome Monkey Sanctuary“. Dies ist ein kleines Naturreservat, in dem die seltenen Mona-Meerkatzen leben. Auf dem Weg zum Reservat kaufte unser Guide noch schnell ein paar Bananen und schon konnte es los gehen. Es dauerte gar nicht lange, bis wir die ersten Affen zu sehen bekamen, welche meiner Meinung nach wirklich süß und lustig aussehen. Unser Guide erklärte uns anschließend, dass die Affen normalerweise auch auf die Arme und Beine der Besucher klettern. An dem Tag wo wir dort waren, waren davor nur schon sehr viele Gruppen dagewesen, sodass die Affen schon relativ statt waren. Dennoch kamen uns viele von ihnen sehr nahe und nach und nach gelang es jedem von uns die Affen mit unseren Bananen zu füttern. 

So einen hätte ich auch gerne mit nach Hause genommen :)



Nach diesem wirklich schönen Abstecher machten wir uns weiter nach Ho-Hoe. Dort blieben wir jedoch nicht lange, sondern genossen nur schnell eine leckere Portion Fufu und machten uns dann auf den Weg nach Liat-Wote. Von dort aus wollten wir nämlich am nächsten Tag den höchsten Berg Westafrikas besteigen, den Adjafato, welcher 968m hoch ist. Für den Aufstieg brauchten wir knapp eine Stunde und waren danach auch erst mal ein bisschen außer Atmen und staunten nur, als uns unser Führer „Lucky“ erzählte, dass er normalerweise nur zwischen 20-30 Minuten für den Aufstieg braucht. Oben angekommen war unsere Sicht leider nicht so überragend wie wir es gehofft hatten, da der Staub vieles verbarg. An dem Tag, als wir nämlich von Accra los fuhren ging die Hamattan-Saison los. Typisch für diese Saison ist, dass die Tage immer wärmer und trockener werden und dass die Nächte "kühler" (was dann so um die 20-25 Grad wäre) werden. Außerdem ist die Luft durch den Sahara Staub sehr nebelig und staubig und die Sonne war an den ersten Tagen so gut wie nicht zu sehen. Mittlerweile hat sich das aber alles wieder relativiert. Trotz des Staubes konnte man trotzdem einiges sehen und allein der Aufstieg an sich hatte sich schon gelohnt. 


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An dieser Stelle möchte ich kurz einen kleinen Einschub machen: Oben auf dem Berg trafen wir zwei weitere Deutsche. Nachdem wir mit einem von ihnen ins Gespräch kamen und über unsern Freiwilligendienst berichteten,  fragte uns dieser dann nach einer Weile: ,,Das ist aber auch nur gut für den Lebenslauf, oder?“. Leider ist dies nicht das erste Mal, dass ich so eine Aussage gehört habe. Meiner Meinung nach ist so eine Frage oder Aussage totaler Unsinn.  Dieses Jahr ist nicht nur für meinen Lebenslauf, es ist für mein ganzes restliches Leben und wird mein Handeln und Denken für immer beeinflussen. In den letzten Monaten habe ich gefühlt so viel über die Welt gelernt, wie in meinem bisherigen Leben zusammen. Und die Zeit bisher hat mir wirklich geholfen einen anderen Blick auf die Welt zu werfen. Darüber hinaus merke ich immer wieder, wie sehr auch mein Umfeld zu Hause von diesem Jahr beeinflusst wird und sich das Denken oder die Ansichten dieser Personen auch ändern. Als gutes Beispiel fallen mir z.B. meine Großeltern ein, die wahrscheinlich in ihrem restlichen Leben nicht mehr viel von Ghana oder generell Westafrika gehört hätten, außer vielleicht einmal durch die ein oder andere Dokumentation oder kurze Berichte in den Nachrichten. Nun aber berichte ich Ihnen immer wie das Leben hier so ist und so haben sie auch ein viel größeres Verständnis von vielem hier und verfolgen jede noch so kleine Nachricht über Afrika oder Ghana. Darüber hinaus sammelt man natürlich nicht nur prägende Erfahrungen, sondern findet auch viele neue Freunde und lernt ein Land komplett für sich kennen und auch lieben.  Ich könnte hier jetzt noch Seiten weiterschreiben, aber ich denke mein Punkt ist klar: Dieses Jahr ist auf keinen Fall nur dafür da, damit es sich vielleicht irgendwann mal ein zukünftiger Arbeitsgeber ansieht und sich für mich entscheidet. Dieses Jahr ist für mich als Person ein unvergessliches Erlebnis, welches mich für immer prägen wird. 

Soooooooo… (lach). Nachdem wir den Adjafato dann wieder hinabgestiegen waren, machten wir uns noch schnell auf den Weg zum Tagbo Waterfall. Auf den Weg dorthin zeigte uns Lucky verschiedene Pflanzen und Früchte und pflückte für uns unter anderen eine Cacoa Frucht und Papaya, welche wir dann genüsslich am Wasserfall verzehren konnten. Der Wasserfall an sich war wunderschön mitten im Wald gelegen und somit ein super schöner Ort, um nach dem anstrengend Bergsteigen zu entspannen. Am Ende trauten sich Sarah und ich sogar schwimmen zu gehen, obwohl das Wasser dort wirklich eisig kalt war! Am Abend zeigte uns Lucky dann noch die lokale Variante des ghanaischen Gerichts Baanko, welches wir dann mit Buschratte aßen. Hört sich vielleicht ein bisschen komisch an, aber schmeckte echt super

Für alle die dachten, dass Afrika nur aus Sand besteht ;)

Leider kann man die Kälte nicht mit abbilden brrrrrrrr

Am nächsten Tag stand dann der ,,Upper Wli Waterfal“ an. Wem das jetzt irgendwie bekannt vorkommt, nicht wundern! Zusammen mit AFS haben wir im November unsere erste Reise in die Volta Region gemacht und damals den ,,Lower Wli Waterfal“ besucht. Schon damals haben wir erfahren, dass es neben dem ,,Lower Wli Waterfal“ auch den ,,Upper Wli Waterfal“ gibt, welcher jedoch nur über einen lange Wanderung durch den Wald möglich ist. Dennoch wollten wir uns dies natürlich nicht entgehen lassen, vor allen Dingen, weil der höhere der beiden Wasserfälle eigentlich der höchste Wasserfall Westafrikas ist. Nach einem ziemlich abenteuerlichen Wanderweg, waren die Gedanken an diesen jedoch mit einem Schnips weg, als wir den Wasserfall sahen. Es ist wirklich schwierig zu sagen, welcher von beiden schöner ist, da beide wunderbar gelegen sind. Da wir ja bereits schon durch den Vortag abgehärtet waren, gingen wir  hier natürlich auch wieder schwimmen. Danach wurde noch die leckere Paw-Paw Frucht verzehrt und dann konnte es auch schon so langsam wieder auf den Rückweg gehen. Am nächsten Tag war unsere Reise dann auch schon wieder vorbei und es ging wieder nach Accra. 

Silvester
 
Als nächstes stand Silvester vor der Tür. Für Silvester hatten wir uns alle ein paar Zimmer am Strand gemietet, wo es dann auch eine große Party mit einem sehr leckeren Buffet gab.  Und es war wirklich schwer sich an diesem Abend nicht irgendwie wohl zu fühlen und vom alten Jahr Abschied zu nehmen. Auf der einen Seite das Meeresrauschen und der Strand und auf der anderen Seite die Reggae Musik und ein Lagerfeuer. Um 0:00 Uhr gab es dann natürlich auch ein kleines Feuerwerk. Dies war schön, aber nicht mehr so ganz besonders, da die Ghanaer schon seit Weihnachten gefühlt jeden Abend kleine Feuerwerke veranstaltet haben. Die ersten Stunden des Neuesjahr verbrachten wir also am Strand und warteten bis die Sonne über dem Meer aufging.




Mid of Stay Seminar

Wenige Tage später ging es dann weiter zum Mid of Stay Seminar. Dieses Seminar wird von unserer Partnerorganisation vor Ort AFS Ghana veranstaltet und sollte dafür da sein,  unsere bisherige Zeit zu reflektieren und uns z.B. auch Ziele für die kommende Zeit zu stecken. Wir diskutierten verschiedene Sachen, wie die Situation in unseren Gastfamilien, unseren Projekten und natürlich generell das Leben hier und die ghanaische Kultur. Am Ende dieser drei Tage ging es dann zusammen nach Cape Coast, den größten Ort an der Westküste Ghanas.  Auf dem Weg nach Cape Coast besuchten wir den „Kakum National Park“.  Dieser ist einer der größten Attraktionen für Touristen in Ghana. Das besondere hier ist nämlich der sogenannte „Canopy Walkway“.  Dieser ist ein Pfad aus Holzbrücken, der sich zwischen den Baumkronen des Regenwalds befindet, nichts also für Menschen mit Höhenangst.  Dies war wirklich ein einzigartiges und beeindruckendes Erlebnis!





Am nächsten Tag ging es dann leider schon wieder zurück nach Accra, aber bevor wir uns auf den Weg machten, stand noch ein Besuch im „Elmina Castle“ an, einer der alätesten Sklavenburgen der Welt.  Die Burg wurde 1482(!) gebaut und war seitdem unter portugiesischer und anschießend dänischer Führung. Die Führung durch die Burg war wirklich aufschlussreich, aber mindestens genauso traurig. Wir lernten einiges darüber, wie die Sklaven damals behandelt wurden und wie viele Qualen und Schmerzen sie über sich ergehen lassen mussten. Besonders traurig waren die Todeszellen und „the room of no return“ (Der Raum ohne Wiederkehr),  welcher der letzte Ort der Sklaven war, bevor sie nach Europa, Amerika oder in andere Orte der Welt verschleppt wurden sind. Außerdem war auch der Gegensatz zwischen den Unterkünften der Sklaven und den Räumen der Gouverneure sehr krass.  Persönlich empfand ich die Führung und Besichtigung der Burg aber auch noch sehr wertvoll und lehrreich, weil, obwohl das Thema Sklaverei in der Schule angeschnitten wird und man natürlich auch so in seinem Leben darüber lernt,  man sich mit dem Thema in Deutschland eher weniger auseinandergesetzt und einem meistens gar nicht klar wird, wie drastisch dies alles war, bis man es selbst mal vor Gesicht bekommt. 




Nachdem es dann am Samstag wieder nach Hause ging, traf ich mich am nächsten Tag noch einmal kurz mit einem Arbeitskollegen, um den letzten Tag der Ferien zu genießen, da am nächsten Tag der Wecker wieder um 5 Uhr klingeln sollte und die Arbeit wieder los ging. 

In meinem nächsten Blogeintrag werde ich euch dann darüber erzählen, was ich in den letzten Wochen in meinem Projekt so gemacht habe und auch noch einige Aspekte über das Leben hier. Bis dahin lasst es euch gut gehen und bis zum nächsten Mal!