Donnerstag, 30. März 2017

Work Work Work!



Hallo alle zusammen!

Endlich finde ich mal wieder die Zeit, um Euch auf den neusten Stand der Dinge zu bringen und Euch zu erzählen, wie es mir so geht. Es hat leider ein bisschen gedauert, da ich in letzter Zeit besonders in meinem Projekt sehr viel zu tun hatte und deswegen eher weniger zum Schreiben gekommen bin…

Aber damit spreche ich auch schon den ersten Punkt an, über den ich Euch heute ein bisschen mehr erzählen möchte: mein Projekt. Ich hatte mal nachgeguckt und gesehen, dass ich zuletzt über mein Projekt Ende Oktober berichtet hatte, also schon etwas länger her. Dies bedeutet natürlich nicht, dass in der Zwischenzeit nichts passiert ist, ganz im Gegenteil! Aber zuerst einmal ein genereller Statusbericht: 

Mir geht es weiterhin sehr gut in meinem Projekt und seit einer Weile fühlen sich die Atmosphäre und die Menschen in meinem Projekt auch wie eine große Familie an. Mit meinen Arbeitskollegen verstehe ich mich ebenfalls sehr gut und wir unternehmen auch außerhalb der Schule viel.  Besonders freut es mich auch, dass ich von eigentlich allen Lehrern als vollwertiges Mitglied des Kollegiums angesehen werde und nicht einfach nur als der Freiwillige, der eh in ein paar Monaten geht. Dies bedeutet dann natürlich aber auch, dass ich ebenfalls alle Aufgaben erledigen muss, die die anderen Lehrer auch bewältigen müssen. Sei es Klausur- oder Pausenaufsicht, Vertretungsunterricht, Arbeiten korrigieren, mit auf Ausflüge gehen und und und…. 
Dennoch macht mir so gut wie alles Spaß und Freude. (Außer vielleicht das Berichtigen von Tests und Klausuren , das hat schon manchmal seine Längen (lach))…  Nur muss ich mich dennoch von Zeit zu Zeit daran gewöhnen, dass ich jetzt quasi auf der „anderen Seite“ stehe und jetzt die nervösen Schüler während ihrer Klausuren beaufsichtige oder beim Ausflug im Bus vorne sitze und mich alle 3 Minuten umdrehen muss und brülle, dass sich doch bitte alle hinsetzen… But that’s life, right? 

Auch die Schüler bereiten mir immer noch eine große Freude. Am Anfang habe ich mich manchmal gefragt, ob sie vielleicht nur so begeistert und motiviert sind, weil ich neu bin, aber mittlerweile ist mir klargeworden, dass die Kinder einfach nur sehr viel Lebensfreude und Energie mitbringen.  Wenn die Kinder motiviert sind, dann macht dies natürlich (meistens)  auch die Arbeit einfacher. Besonders auf den Sportunterricht freuen sich die jüngeren Kinder immer besonders. Wenn ich an der Tür des Klassenraums erscheine, kommt es dann schon nicht selten vor, dass es manche Schüler gar nicht mehr auf den Sitzen hält und sie schon fröhlich in der Gegend herumspringen.  Auch den anderen Lehrern ist dies mittlerweile aufgefallen und, zu meiner großen Freude, drohen ein paar Lehrer jetzt schon teilweise öfter damit, dass die Klasse nicht zum Sportunterricht geht, als ihnen mit Schlägen zu drohen.  


Ein paar Eindrücke aus meinem Sportunterricht
Der Sportunterricht war auch das, was mich über die letzten Wochen sehr auf Trab gehalten hat. Anfang Februar stand nämlich das jährliche „Inter-Section Sports Event“ an meiner Schule statt, welches sich über zwei Tage erstreckte. Bei diesem treten die Schüler in vier unterschiedlichen Sections in verschiedenen Wettbewerben gegeneinander an. Einige der Disziplinen waren ganz normale Leichtathletik Wettkämpfe wie 100/200 m Lauf und Staffellauf. Abgesehen davon gab es aber auch verschiedene spielerische Wettbewerbe wie z.B. Reise nach Jerusalem und ein Seilspringrennen.  Natürlich musste dieses Event aber erst einmal geplant werden und die Schüler auch auf die einzelnen Disziplinen im Sportunterricht vorbereitet werden. Für diese Aufgaben waren natürlich die Sportlehrer zuständig... Im Großen und Ganzen ging das dann aber alles ganz gut über die Bühne. Zur Begeisterung der Schüler haben wir es geschafft, dass das Sportfest dieses Jahr in einem großen Sportstadium stattfand und nicht einfach nur auf dem Schulhof. Im sonstigen Planungsverlauf trieb mich die ghanaische Gelassenheit, die ich zum größten Teil sehr genieße und zu schätzen weiß,  dann doch hier und dort auf die sprichwörtliche Palme. Dies kam dann besonders vor, wenn man selber versuchte schon alles im Voraus zu planen, so wie wir Deutschen das halt gerne mal machen, und nicht erst am Tag davor, um dann in Panik zu verfallen.  Aber das muss ich den Ghanaern dann auch lassen, auch wenn es meistens aus meiner Sicht eher ein bisschen chaotisch und spontan zugeht, klappt dann doch meistens alles. Dies traf auch auf unseren Sportevent zu. Die Schüler genossen die beiden Tage wirklich sehr und welche Section es dieses Jahr ganz oben auf das Podest schaffen würde,  war sehr hart umkämpft. Besonders toll fand ich es, wie sich die Schüler in ihren Sections gegenseitig unterstützt haben und so alles aus sich heraus gehauen haben. Ein großes Highlight für die Schüler war dann auch der Lehrer vs. Eltern Staffellauf, bei dem ich als Sportlehrer natürlich auch mitmachte.  Und die Erwartungen der Schüler wurden nicht enttäuscht, da die Lehrer das Rennen mit einem deutlichen Vorsprung gewannen (lach)…   Insgesamt gingen dann eigentlich alle mit einem Lächeln nach Hause und auf zwei erfolgreiche Tage zurück blickend. 
 



Momentan bereiten wir eine kleine Gruppe von Schülern immer nach der Schule für eine halbe Stunde auf einen kleinen Marathonlauf vor, der dann Anfang Mai stattfinden wird. Aber auch der Informatikunterricht macht mir immer noch mindestens genauso viel Spaß. Ich empfinde diesen auch als eine nette Abwechslung zu dem Sportunterricht, welcher zum größten Teil draußen auf dem Feld stattfindet.
Eine weitere einzigartige Erfahrung über die ich Euch gerne ein bisschen berichten möchte, ist meine erste ghanaische Beerdigung. Im Dezember letzten Jahres ist trauriger weise ein älterer Lehrer an meiner Schule verstorben. Nachdem letztes Jahr innerhalb der Schule schon eine kleine Trauerfeier stattfand, war Ende Februar dann die „richtige“ Beerdigung. Das diese erst „so spät“ nach dem Tod abgehalten wurde, ist für ghanaische Verhältnisse aber überhaupt nicht ungewöhnlich. Schon durch die viele Erzählungen im Vorhinein wusste ich, dass eine ghanaische Beerdigung eher wenig mit einer deutschen Beerdigung zu tun hat. Hier wird nämlich die Person wirklich gefeiert und so in Gedanken behalten. Dies bedeutete, dass alle Lehrer mit einem Bus von der Schule zur Kirche fuhren, wo die Trauerfeier dann stattfinden sollte. Das Besondere dabei war aber schon, dass während der gesamten Busfahrt Musik gemacht wurde und dazu kräftig gesungen wurde. Nach der Trauerfeier und der Beisetzung ging es dann weiter in eine Art Restaurant, wo es für alle reichlich zu essen und zu trinken gab. Von da aus ging es dann im regelmäßigen Abständen von einer Bar zur nächsten, wo natürlich auch das Tanzen nicht zu kurz kam. Für die meisten Lehrer und mich ging es am Nachmittag zurück, aber manche waren auch noch bis lang in den Abend unterwegs.  Mir persönlich hat diese Art der Trauer sehr gefallen, aber ich denke die beiden Seiten (ghanaische und deutsche Beerdigungen)  Vor- und Nachteile haben und ich bin mir auch nicht so sicher, ob es mir so gefallen hätte, wäre mir die Person sehr viel näher gewesen.
Rot und Schwarz sind typische Beerdigungsfarben
 


Ein weiterer Aspekt, den ich heute mal ein bisschen ansprechen würde, weil es mich schon viele gefragt haben, ist, wie es denn so ist, als auf einmal als „Weißer“ in der Minderheit zu sein oder als Weißer hier in Ghana zu leben. Was ich im nachfolgenden schreibe und berichte, sind natürlich alles meine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke und sollten nicht einfach so verallgemeinert werden, was ebenfalls für meine restlichen Berichte gilt.
Bereits  vor meiner Abreise habe mir darüber schon eher weniger Gedanken gemacht und schon schnell nach meiner Ankunft in Ghana wurde mir klar, dass hier kein Grund zur Sorge besteht. Man darf sich die Situation hier nämlich überhaupt nicht wie die in den meisten westlichen Ländern vorstellen. Während in diesen Leute mit einer anderen Hautfarbe oder anderen unterschiedlichen Merkmalen teilweise kalt angeguckt werden und sich diskriminierende Bezeichnungen anhören lassen müssen, freuen sich die Ghanaer besonders über so gut wie jeden Ausländer, der hier zu Besuch ist oder der hier lebt. Wenn man hier als Weißer über die Straßen läuft, dauert es keine 5 Minuten bis man mindestens einmal die Worte „Ohh Broni“ zu hören bekommen hat, welche in Twi bedeuten „Oh mein Weißer“ oder einfach nur „oh Weißer“. 
Dies klingt jetzt vielleicht erst mal komisch, aber dies ist es auf keinen Fall. Wie gerade schon erwähnt habe, ist es eher ein Ausdruck der Freude von den Menschen hier, darüber, dass man nach Ghana gekommen ist und ihr Land besucht.  Aber auch sonst sind die Leute hier einfach immer sehr offen und warmherzig und vielen Leuten liegt es auch sehr am Herzen, dass man hier eine schöne Zeit hat und Ghana genießt. So wird einem eigentlich auch immer Hilfe angeboten, wenn man sie gerade braucht. Ein gutes Beispiel dafür ist es z.B., wenn man sich verlaufen hat oder einfach den Weg nicht mehr weiß. Wenn man in Deutschland jemand nach dem Weg fragen würde, dann würde einem die Person in 90% der Fälle schnell eine Wegbeschreibung geben und sich dann wieder auf den eigenen Weg machen. Hier nehmen einen die Leute dann einfach an die Hand und führen einen zu dem gewünschten Ort. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Ziel 5 Minuten oder auch mal 15 Minuten weit weg ist.  Aber ich merke schon, dass ich ein bisschen abschweife...
Auch für meine Arbeitskollegen und für meine Gastfamilie spielt es überhaupt keine Rolle, welche Hauptfarbe ich habe. Insgesamt habe ich die Ghanaer als sehr aufgeschlossene und freundliche Menschen kennen gelernt. Dies bezieht sich nicht nur auf die Hautfarbe oder Herkunft von Menschen, sondern z.B. auch auf ihre Religion. So glaube ich, dass Ghana (trauriger weise) eines der wenigen Länder ist, in denen eine Moschee direkt neben einer Kirche stehen kann und es überhaupt keine Probleme zwischen den Angehörigen gibt.
Das Einzige, was manchmal ein bisschen schwierig ist, ist, dass hier weiß sein immer damit verbunden wird, dass man viel Geld hat, was ja im Durchschnitt auch so stimmen mag, aber nicht auf jede einzelne Person zutrifft.  Aus diesem Grund kann aber auch z.B. ein Markteinkauf oder Anziehsachen kaufen gehen, manchmal ein bisschen anstrengender sein, da die Verkäufer für einen die Preise gerne mal in die Höhe treiben, aus dem einfachen Grund, dass man weiß ist und ja schließlich viel Geld hat. Des Weiteren ist es mir und auch anderen Freiwilligen auch schon teilweise passiert, dass Leute auf einen zukommen, fragen ob sie mit einem ein Foto machen können und dann wieder verschwinden… (lach)  Insgesamt kann ich aber nur sagen, dass meine Hautfarbe meinen Aufenthalt hier zu keinen Zeitpunkt wirklich negativ beeinflusst hat. Darüber hinaus kann ich jeden nur beruhigen, der sich dies vielleicht als ein Problem vorstellt, wenn man nach Ghana oder in ein anderes afrikanisches Land kommt.

So, das war es dann auch für das erste mal wieder, bis zum nächsten Mal!