Freitag, 25. November 2016

Alles vom ersten Deutschen Fleischer bis zu meinen glücklichen Augen



„Mema  mo aha“, oder auf Deutsch „Guten Nachmittag“,

zuerst einmal möchte ich mich dafür entschuldigen, dass mein letzter Bericht schon knapp einen Monat her ist und ich seitdem nichts mehr von mir hab hören lassen. Ein Grund dafür war auf jeden Fall, dass ich die letzten Wochenenden zum größten Teil sehr beschäftigt war und ich Euch in diesem Beitrag natürlich darüber berichten möchte, was ich so erlebt habe. 

Bevor ich dies aber tue möchte ich noch einen kurzen Statusbericht abgeben:  Mir geht’s weiterhin sehr gut hier. Nach fast 3 Monaten kann ich sagen, dass ich mich schon sehr gut eingelebt habe und in dieser Zeit das Land, die Leute und besonders den „Ghanaian way of Life“ mit all seiner Freundlichkeit, Offenheit und Gelassenheit lieben gelernt habe. Des Weiteren, und mit dem Folgenden möchte ich Euch zu Hause wirklich nicht ärgern, aber ich finde dennoch, dass es erwähnt werden sollte, ist es momentan ganz nett zu wissen, dass ich hier weiterhin (wie wohl durch das ganze Jahr) jedes Wochenende zum Strand gehen kann oder einfach draußen die super leckeren ghanaischen Früchte essen kann, während dessen es in Deutschland „ein bisschen“  kälter ist.  Außerdem finde ich es zur Abwechslung auch gar nicht so schlimm die Weihnachtszeit mit Sonne und in kurzen Hosen zu verbringen anstatt im Schnee rum zulaufen oder mehrere Schichten von Pullovern zu tragen.  So viel dazu (lach).

Vor drei Wochen haben sich die anderen Freiwilligen und ich zu einer weiteren Twi-Sprachstunde im Büro unserer Organisation getroffen. Die Sprache an sich ist zwar super interessant, aber auch sau schwer zu lernen. Das liegt auf der einen Seite daran, dass man im Gegensatz zur Schule, wo man eine Sprache mit Hilfe von verschiedenen Aufgaben, Vokabelübungen etc. im Unterricht gelernt hat, es hier zum größten Teil nur ums auswendig lernen geht, was viel Disziplin und Geduld braucht. Des Weiteren gibt es im Vergleich zu den Sprachen, die ich bisher gelernt habe weniger grammatikalische Regeln und Strukturen und die Sprache ist sehr viel „offener“, falls man das so sagen kann. Dies hört sich auf den ersten Blick erst mal sehr positiv an (und ist es bestimmt auch, wenn man sich der Sprache mächtig ist), aber für mich ist es momentan noch sehr verwirrend.  Ein Beispiel dafür ist z.B. der Satz ,,M'ni agye“, der mich am Ende dieser Sprachstunde fast zum verzweifeln gebracht hat. Eigentlich soll dies nämlich „Ich bin glücklich“ bedeuten. Gleichzeitig kann es aber auch bedeuten, dass meine Augen glücklich sind und wenn man es Wort für Wort übersetzt dann heißt es ,,Meine Augen nehmen“. 
Dennoch werde ich weiterhin versuchen Twi so gut wie möglich zu lernen, da meine Familie und meine ArbeitskollegInnen sehr viel Twi sprechen und einem die Leute hier immer beipflichten, wie einfach es doch sei die Sprache zu lernen. Außerdem hat sich eine Lehrerin an meiner Schule dazu bereit erklärt mir in unseren gemeinsamen Freistunden immer wieder ein bisschen was beizubringen.  Momentan kann ich sogar schon ein bisschen Smalltalk betreiben, obwohl dieser dann meistens damit endet, dass ich mit ratlosen Gesicht dastehe (lach). 

Nach der Sprachstunde hatten wir dann alle eine gemeinsame Tanzstunde, da geplant ist, dass wir auf der Weihnachtsfeier unserer Organisation einen kleinen Tanz aufführen. Mit der tatkräftigen Unterstützung von unseren Ghanaischen Freunden lernten wir an diesem Tag sogar drei Tanzschritte. Einmal den nigerianischen „Shoki“ und dann noch die ghanaischen „Azonto“ und „Alkayida“. Es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht die Tänze zu lernen, und alle meine Freunde, die das hier lesen, können sich schon auf das nächste Mal freuen, wenn wir feiern gehen.  
                                        
Generell ist Tanzen hier aus meiner Sicht ein wichtiger Teil der Kultur. Egal wo und wann, wenn die Musik an ist, dann gibt es auch immer Leute die mit fröhlichen Gesichter dazu tanzen. Auch bei mir zu Hause kommt es immer mal wieder vor, dass jemand kurz tanzt und dann von der ganzen Familie angefeuert wird. Ich finde davon könnten wir Deutschen uns mal ein bisschen was abschneiden.
Zum Abschluss des Abends sind wir dann noch mit zwei Leuten aus unserer Organisation und einer anderen Freiwilligen Pizza essen gegangen, weil wir dann nach 2 Monaten doch irgendwie Heißhunger auf Pizza hatten. 

Am vorletzten Wochenende machten wir uns dann alle auf zu einem Trip in die Volta Region. Gemeinsam sind wir von Accra aufgebrochen,  um nach Ho, die Hauptstadt der Volta Region, zu fahren. Vor Ort übernachteten wir in einem Hostel  für einen unschlagbaren Preis. Für zwei Übernachtungen bezahlten wir umgerechnet ungefähr 7-8€! Am Freitagabend besuchten wir die amerikanischen Austauschschüler von unserer Organisation, mit denen wir uns gemeinsam auf den Weg gemacht hatten, in deren Hotel, um dort am Pool ein bisschen zu entspannen und den schönen Ausblick auf Ho bei Nacht zu genießen. Am nächsten Morgen ging es dann auf nach Hohoe, wo wir die Wli Wasserfälle anpeilten. Der Busfahrt dahin war, wie eigentlich bisher jede längere Fahrt hier, beeindruckend und einzigartig. Zwischen den großen „Waldlandschaften“ erstrecken sich immer mal wieder Dörfer. In Hohoe angekommen mussten wir noch ca. 30 Minuten zum Wasserdall laufen. An dieser Stelle sollte ich mich wohl eher korrigieren. Wir „mussten“ nicht die 30 Minuten zum Wasserfall laufen, wir hatten die große Freude diesen wunderschönen Weg zu gehen. Der Weg zum Wasserfall führte nämlich durch einen sehr schönen Wald mit zahlreichen Pflanzen und vielen Schmetterlingen, die überall fröhlich umher folgen. Des Weiteren passierten wir immer wieder kleinere Steinbrücken, um über den Fluss zu kommen. 





Als wir dann am Wasserfall ankamen, wären uns wohl allen die Augen ausgefallen, falls dies möglich wäre. Der Anblick war einfach unbeschreiblich und noch tausendmal schöner als in jedem Film. Der Wli Wasserfall ist mit einer Höhe von ca. 70 Metern der größte Wasserfall Westafrikas. Die vielen Fledermäuse die an der Spitze umher flogen gaben dem ganzen noch einen ganz speziellen, fast schon mystischen Touch. Als wir dann noch realisierten, dass wir unter dem Wasserfall „baden“ konnten, war der Freude keine Grenzen mehr gesetzt. Obwohl der Wasserfall wie gesagt schöner als in jedem Film war, tat das da drunter stehen ebenfalls mehr weh, als es in den ganzen Filmen aussieht. Dennoch war es ein einzigartiges Erlebnis, was man auf jeden Fall nicht so schlecht vergessen wird. Besonders schön war auch, dass wir fast die einzigen Leute dort waren und der Ort nicht von Touristen überfüllt war, was hier eh meistens nicht der Fall zu sein scheint.   
Am Abend erkundeten wir dann noch ein bisschen Ho, und ließen den Abend gemütlich in einer Bar ausklingen. Dort trafen wir einen Deutschen, der schon seit 14 Jahren in Ghana lebt und der sich uns selbst als der „erste Deutsche Fleischer in Ghana“ vorstelle. Es war sehr interessant seinen Geschichten zu zuhören und besonders amüsant war es zu beobachten, wie er einige ghanaische Verhaltensweisen aufgenommen hat. 



Am Sonntag ging es dann leider schon auf den Rückweg, aber bevor wir wieder nach Accra fuhren, machten wir noch einen Zwischenstopp am Volta Stausee. Als wir am See lang fuhren konnten wir auch einen kurzen Blick auf den Staudamm werfe, welcher für die Energieversorgung ganz Accras verantwortlich ist. Anschließend gingen wir in Akosombo am Voltasee aus dem Bus und konnten uns dort an einem kleinen Hafen einen schönen Blick auf den See bekommen und bekamen anschließend auch noch eine Führung durch ein Passagierschiff, welches Leute von dort bis ganz in den Norden nach Ghana bringt. Viele von uns Freiwilligen waren sehr angetan und ich bin mir sicher, dass dies nicht der letzte Besuch auf diesem Schiff war.


Letztes Wochenende bin ich dann wieder mit meiner Familie in die Kirche gegangen. Nach der Kirche ist die gesamte Gemeinde noch durch den Ort gegangen und hat dort laute Musik gemacht, um auf die Kirche aufmerksam zu machen. Dies hat wirklich Spaß gemacht, wurde dann in der Sonne aber auch schnell anstrengend. Am Abend trafen wir uns dann noch bei einem Freiwilligen zu Hause und haben gemeinsam gekocht. Am Sonntag war ich dann größten Teils zu Hause, um u.a. meine Wäsche zu machen. Manchen von euch hatte ich ja bereits gesagt, dass meine Gastfamilie eine Wachmaschine hat, über was ich mich vor meiner Ausreise sehr  gefreut habe. Vor Ort musste ich dann leider feststellen, dass die Waschmaschine hier wenig mit unserer zu Hause gemeinsam hat. 
Hier wird nämlich einfach ein Eimer mit kaltem Wasser und ein bisschen Seife dazu gegeben und dann wird das ganze eine Stunde ,,durch geschleudert". Das Problem dabei ist, dass die Sachen zwar danach gut reichen,  aber Flecken oder Schmutz geht nicht wirklich raus. Aus diesem Grunde bin ich jetzt auch auf die Handwäsche umgestiegen, welche in Ghana eh sehr viel verbreiteter und „normaler“ ist. 
Ich muss sagen, dass mir es eigentlich sehr viel Spaß macht meine Sachen mit der Hand zu waschen, dennoch ist man auch manchmal der Verzweiflung nahe, da das Ganze dann schon mal eine längere Zeit in Anspruch nehmen kann. Aber auf der anderen Seite ist es dann auch wieder ein ganz nettes Armtraining (lach).   

"Rundgang" mit der Kirchengemeinde

Am gleichen Tag habe ich mich dann noch über andere sehenswerte Orte in Ghana erkundet und habe schon einige Orte gefunden, die ich in nächster Zeit mal besichtigen möchte.  Ich halte euch auf dem Laufenden, was ich so erlebe!

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Regenschlacht, Kirchenbesuche und mein Traumberuf



Hallo alle zusammen, heute möchte ich Euch ein bisschen über die Ereignisse der letzten beiden Wochen und meine Projektstelle berichten.

Zuerst einmal möchte ich aber kurz über mein „Zeitgefühl“ hier sprechen. Im Vergleich zu meinem ersten Blogpost hat sich daran eigentlich nicht viel geändert. Obwohl ich mittlerweile „schon“ 1 ½ Monate in Ghana bin, kommt es mir auf der einen Seite überhaupt nicht so vor. Manchmal hat man das Gefühl, dass man erst seit eins zwei Wochen hier ist, da es immer noch so viel Neues zu erkunden gibt. Im nächsten Augenblick kann es dann aber auch schon wieder andersherum sein und es fühlt sich an, als wenn man schon durch aus länger hier ist, da man sich mittlerweile schon sehr gut eingelebt hat und so langsam der Alltag einzieht.  Des Weiteren gibt es Augenblicke, wo man die restliche Zeit hier vor sich sieht und denkt:,, Oh man, das ist aber echt noch lange..“. Ein paar Stunden später kann es dann aber auch schon wieder sein, dass man denkt: „Ahhhh, das ist ja nur noch so wenig Zeit und ich habe noch so viel zu sehen und noch so viele Pläne“. So viel dazu ^^

Vorletztes Wochenende gab es die Fortsetzung von unserer Veranstaltung „YES FOR PEACE“, welche vor ein paar Wochen stattfand und bei der für friedliche Wahlen und an die Jugend appelliert wurden ist. Diesmal reisten wir nach Koforidua, eine Stadt in der Eastern Region Ghanas, welche ungefähr eine bis zwei Stunden (je nach Verkehrslage) östlich von Accra entfernt ist, um dort an den „YES FOR PEACE GAMES“ teilzunehmen. Die ganze Veranstaltung fand an einer High School statt, welche ziemlich groß war, da die meisten High Schools hier wie Internate aufgebaut sind. Neben uns und der schuleigenen Mannschaft, nahmen auch viele andere Schulen teil. Den größten Teil des Turniers sollte ein Fußballturnier einnehmen. (Warum ich „sollte“ schreibe erkläre ich gleich). Zuerst einmal mussten wir aber circa zwei Stunden auf unser erstes Spiel warten, da andere Mannschaften ihre Spiele zuerst hatten. Dies war aber überhaupt nicht schlimm, da es uns eine große Freude bereitet hat den anderen Schülern dabei zu zusehen, wie sie ihre Mannschaft anfeuerten. Dies ging teilweise von normalen Gesängen, Klatschen und Anfeuerungsrufen zu ausgelassen Tänzen, Schreien und herumspringen. Nach zwei Stunden waren wir dann also endlich an der Reihe. Leider war unser Spiel nach fünf Minuten quasi vorbei, da es auf einmal anfing tierisch zu regnen. Am Anfang sagte ich noch zu einem aus unserer Mannschaft, dass dies ja kein Problem sei, weil uns Deutschen das „Fritz-Walter-Wetter“ besonders liegt, aber nachdem nach 5 Minuten der Platz unter Wasser stand, die Zelte teilweise auf dem Spielfeld aufgrund des Windes davonflogen und der Ball nicht mal einen halben Meter weit rollte, war an Fußball nicht mehr zu denken.  Anschließend trockneten wir uns drinnen so gut es ging und aßen etwas. Nachdem wir alle wieder halbwegs trocken waren, nahmen unsere Mädchen an einem Tauziehwettbewerb teil, bei dem die Anfeuerungsrufe der Schülerinnen und Schüler mindestens genauso ausgelassen waren, wie beim Fußballturnier. Unsere Mädchen lieferten sich einige hart umkämpfte Durchgänge und belegten schlussendlich den zweiten Platz, welcher von uns frenetisch gefeiert wurden ist. Mit einer Menge Spaß und Erfahrungen, aber auch vielen nassen Klamotten traten wir dann die Rückreise nach Hause an. 





DIe Fußballer

"Alles geben für den Sieg"

EIn Blick auf Accra von unserer Rückreise


Letztes Wochenende war eher ein bisschen entspannt, aber dafür ging ich samstags und sonntags in die Kirche. Samstags wie immer mit meiner Gastfamilie. Falls ihr euch jetzt außerdem fragt, wieso wir immer samstags in die Kirche gehen, dann liegt das daran, dass meine Familie Adventisten sind. Im Adventismus beginnt der Sabbat, ähnlich wie im Judentum, freitags um 18 Uhr und zieht sich bis samstags um 18 Uhr. In dieser Zeit ist jegliches Arbeiten verboten und man geht samstags in die Kirche. Dieses Wochenende jedoch wurde ich von einer Arbeitskollegin, welche zeitgleich auch Pastorin ist, zum Gottesdienst ihrer Kirche eingeladen. Ich muss hier kurz sagen, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt, wie ich es auch in einem anderen Blogeintrag bereits beschrieben hatte, dass die Kirche, die ich mit meiner Gastfamilie besuche schon eine sehr ausgelassene Atmosphäre hatte im Vergleich zu deutschen Kirchen. Dieser Gottesdienst übertraf jedoch alle meine Vorstellungen. In der ersten Stunde(!) wurde nur getanzt und gesungen, und dies nicht gerade zögerlich, was dafür sorgte, dass mir Stimmung besser ausgelassener vorkam, als in dem ein oder anderem Club. Auch die Sänger waren eine Klasse für sich, welche mir teilweise das Gefühl gaben, dass ich auf einem Konzert wäre, anstatt in der Kirche. Ich denke insgesamt lässt sich diese Kirche sehr gut mit dem Film „Sister Act“ vergleichen, also jeder der den Film gesehen hat, sollte jetzt eine ungefähre Ahnung davon haben, wie die Stimmung so war.  Das einzige was mich ein bisschen schockiert hat und was ich auch schon von vielen anderen Freiwilligen gehört habe, ist die große Summe der Spenden, die hier immer während eines Gottesdiensts eingesammelt werden. 




Zum Schluss möchte ich Euch noch ein bisschen was über die aktuelle Situation in  meiner Projektstelle berichten.  Vor circa drei Wochen wurde endlich der neue Sportlehrer an meiner Schule eingestellt. Seitdem betreuen wir die Klassen zusammen, was deutlich entspannter für uns beide ist. Die Arbeit mit ihm macht besonders Spaß und ich denke, dass wir uns sehr gut ergänzen, besonders, da er die nötige Strenge mitbringt, die man hier zum Unterrichten braucht. An dieser Stelle muss ich auch (leider) sagen, dass den Schüler an meiner Schule in manchen Fällen mit Schlägen gedroht wird. Manchmal kommt es dann auch vor, dass die Schüler von den Lehrern ein paar Schläge mit einem Stock bekommen. Dies hört sich jetzt natürlich erst mal sehr schlimm an, und ich möchte die Situation natürlich nicht verharmlosen oder irgendwie besser reden, aber dennoch kommt es an meiner Schule eher seltener vor und die Schläge sind auch meistens nicht wirklich hart. Was ich viel trauriger finde ist, dass es schon so weit gekommen ist, dass manche Schüler gar nicht mehr leise sind, bis ihnen mit Schlägen gedroht wird.                                                                                                
Seit letzter Woche habe ich dann auch angefangen einen anderen Lehrer in  ICT (Informatik) zu unterstützen.  Jeder, der mich ein bisschen genauer kennt, weiß, dass ich in der Schule niemals wirklich gut in Informatik war und auch kein Computerspezialist bin. Dennoch fällt es mir nicht so schwer die älteren Kindergartenkinder und die Klassen 1-5 in ICT zu unterrichten, da es in diesen Klassen noch zum größten Teil um Sachen geht wie z.B. „Wie benutze ich die Maus und was sind ihre Funktionen?“ oder „Wie kopiert man einen Text und fügt ihn woanders ein?“.                     Insgesamt kann ich aber nur sagen, dass ich mein Projekt über die letzten Wochen immer mehr lieben und schätzen gelernt habe. Meine Kollegen sind wirklich sehr nett und aufgeschlossen und von vielen wurde ich auch schon mal zum Essen nach Hause eingeladen oder mal so etwas zu unternehmen, was sich in den kommenden Monaten bestimmt auch umsetzen lässt. Besonders glücklich bin ich darüber, dass ich bereits jetzt schon so viele Einblicke in den Beruf des Lehrers bekommen darf und auch schon einige Erfahrungen sammeln darf, da dies ja, stand heute, weiterhin mein Wunschberuf ist.  Die größte Freude bereiten mir jedoch definitiv die Kinder. Fast alle Kinder sind hier immer super begeistert und zeigen eine ganz große Motivation, wenn ich sie unterrichte und dann bereitet es einem noch mehr Freude sie zu unterrichten, wenn man sieht, dass ihnen der Unterricht auch Spaß macht. Und wenn ich dann mal in einer Freistunde oder in der Pause durch die Schule laufe, dann winken mir die Kinder immer aus den Klassenräumen zu oder kommen auf mich zugelaufen. 

Ich hoffe Ihr hattet Spaß beim Lesen!  Falls Ihr irgendwelche Fragen oder ähnliches habt, dann immer her damit. In den nächsten Einträgen versuche ich dann auch mal ein bisschen auf die Leute und die Mentalität hier einzugehen. 

Bis zum nächsten Mal,
Euer Simon  

Freitag, 30. September 2016

Tagesablauf, erster Kirchenbesuch und Ausflug zum Strand



Nachdem ich schon von einigen Leuten gefragt wurden bin, möchte ich diesmal, bevor ich erzähle, was es so neues gibt, ein bisschen meinen Tagesablauf schildern:

Morgens wache ich immer um 5/5:30 Uhr auf, um mich fertig zu machen. Für viele und anfangs auch für mich, hört sich das sehr früh an, aber in Ghana ist Frühaufstehen etwas ganz normales. Dies hat meiner Meinung nach damit zu tun, dass es erstens morgens noch kühler ist (bedeutet nur um die 25-27 Grad) und es auch abends sehr früh, meistens gegen 18 Uhr, dunkel wird. Ein weiterer Grund ist, dass man in Accra eigentlich zu jeder Tageszeit und an jedem Ort mit Verkehr rechnen muss und darum der Weg zur Arbeit oftmals viel länger dauert, als eigentlich geplant. Nachdem ich mich also zu Hause fertig gemacht habe, nehme ich den TroTro um zur Arbeit zu kommen. Obwohl die Schule erst um 8:00 Uhr los geht, müssen alle Schüler und Lehrer schon um 7:30 Uhr da sein, da dann die Schule gesäubert wird und alle Klassenräume auf vorder man gebracht werden. Um 8 Uhr versammeln sich dann alle Schüler auf dem Pausenhof und halten ein Gebet, singen ein Kirchenlied und zu guter Letzt die Nationalhymne, bevor sie dann, unter Begleitung der schuleigenen Band, in die Klassenräume zurück marschieren (hört sich ernster an, als es eigentlich ist). Anschließend fange ich meistens morgens mit den Sportstunden an, und werde dann zukünftig (sobald es noch einen anderen Sportlehrer gibt) mittags Informatik unterrichten. Der Schulschluss ist um 16 Uhr, wobei jeder Tag ein bisschen anders ist. So haben die Schüler donnerstags und freitags Nachmittag die Möglichkeit verschiedene Sportarten auszuüben. Am Donnerstag Morgen wiederum entfällt z.B. die erste Stunde und es findet dafür ein kleiner Gottesdienst statt. Um 16 Uhr mache ich mich dann also meistens auf den Weg nach Hause, wo ich dann Zeit mit meiner Gastfamilie verbringe und wir gemeinsam Abendessen. Mein Tag endet schließlich auch schon relativ früh, da ich meistens gegen 10 Uhr schlafen gehe, um am nächsten Tag wieder fit zu sein^^

Am Samstag ging ich dann zum zweiten Mal mit meiner Gastfamilie in die Kirche. Und genauso wie beim ersten Mal war es auch diesmal wieder sehr unterhaltsam.  Bevor der Gottesdienst los geht besuche ich mit meinem Gastbruder und meiner Gasmutter eine Schule innerhalb der Kirche, in welcher bestimmte Auszüge aus der Bibel diskutiertwerden. 
 An dieser Stelle möchte ich nur kurz hinzufügen, dass Diskussionen über Gott, Jesus, die Bibel etc. zum alltäglichen Gesprächsstoff der Ghanaer gehört. Des Weiteren wurde ich auch schon gefühlt so oft gefragt, ob ich Christ bin, wie ich gefragt wurden bin, woher ich denn kommen würde.    

Aber kommen wir wieder auf das Wesentliche zurück: Bei meinem ersten Kirchenbesuch wurde ich schon der ganzen Gemeinde vorgestellt, wurde anschließend von vielen Leuten willkommen geheißen und bekam sogar ein Willkommensgetränk (welches außerordentlich lecker war^^). Des Weiteren spielte eine Marching Band, es wurde ausgelassen gesungen und was mich auch sehr überrascht hat, war die große Anzahl von Kindern, welche ungefähr ein Drittel der Anwesenden einnahm und welche auch einige Lieder und andere Dinge präsentierten. Am Samstag wurde dann auch zum ersten Mal ein bisschen getanzt und natürlich wieder ausgiebig gesungen.
Letzte Woche bekamen wir (die anderen Freiwilligen und ich) auch unser “richtiges” Visum, mit dem wir das ganze nächste Jahr hier bleiben dürfen (Wuhu!). Am Tag darauf trafen wir uns alle, um an einer Veranstaltung teilzunehmen, bei der für friedliche Wahlen in Ghana geworben wurde. Dafür muss ich auf der einen Seite erwähnen, dass im Dezember in Ghana sehr wichtige Wahlen anstehen. Es geht nicht nur um das Amt des Präsidenten, sondern auch um das Parlament. Außerdem ist es auch wichtig zu sagen, dass die letzten Wahlen in Ghana allesamt friedlich abliefen. Dennoch ist es den Leuten hier besonders wichtig, dass dies auch so bleibt, da es in vielen anderen afrikanischen Ländern leider nicht so ist und dort oftmals der Wahlkampf in  einen richtigen Kampf mündet. Aus diesem Grunde hörten wir uns von verschiedenen Personen Reden darüber an, wie wichtig es ist, den Frieden beizubehalten und was für eine besondere und wichtige Rolle die Jugend in diesem Zusammenhang spielt. Wie uns in den darauffolgenden Tagen mitgeteilt wurde, wurde sogar über dieses Treffen in den Medien berichtet.

Nachdem wir alle anschließend zusammen gegessen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Bojo Beach, um den Tag entspannt ausklingen zu lassen. Und Bojo Beach übertraf wirklich alle unsere Erwartungen. Bojo Beach ist nämlich wie eine kleine Strandinsel! Um auf diese zu kommen muss man erstmals mit einem Kanu auf die andere Seite kommen.  Als wir dann also auf der anderen Seite waren, dauerte es auch gar nicht lange, bis wir endlich ins Meer gingen. Die Wellen waren wirklich fantastisch und es hat sehr viel Spaß gemacht. Außerdem war es für uns alle sehr lustig, da das Meer wärmer war als unsere tägliche Duschen, was wir so noch nie erlebt hatten. Nachdem wir genug Zeit im Meer verbracht hatten, spielten wir mit den anderen Leuten am Strand Volleyball. Was außerdem noch sehr cool und lustig war, war, dass es in der Mitte des Strandes eine Art Tanzfläche gab, auf der die ganze Zeit wild und ausgelassen getanzt wurden ist. Dies ließen wir uns natürlich auch nicht entgehen. Nachdem wir dann geschwommen, Volleyball gespielt und getanzt hatten, ging es dann gegen Abend wieder zurück nach Hause.




(Ignoriert mich einfach^^)


So, ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesen und habt nun einen besseren Einblick in mein tägliches Leben hier bekommen. Falls Ihr Fragen, Anmerkungen oder sonst was habt, dann hinterlasst doch einen Kommentar! :)

Montag, 19. September 2016

Eine Woche - 1000 Erfahrungen




So, hier ist nun auch endlich das erste “Lebenszeichen” von mir. Ich bin jetzt mittlerweile über eine Woche in Accra, der Hauptstadt Ghanas. Dennoch fühlt es sich nicht wie 10 Tage an, sondern eher wie einen Monat und gleichzeitig manchmal auch nur wie eins bis zwei Tage. Auf der einen Seite vergeht die Zeit so schnell, weil man jeden Tag, jede Stunde, man könnte sogar schon fast sagen jede Minute etwas neues sieht oder erlebt.  Aber auch genau diese große Anzahl an Erlebnissen und Erfahrungen, sind so viele an der Zahl, dass es sich schon sehr lange her anfühlt, seit ich in Deutschland ins Flugzeug gestiegen.

Aber fangen wir von vorne an. Der Flug von Düsseldorf über Amsterdam nach Accra war sehr nett und unproblematisch. Als wir dann in Ghana aus dem Flugzeug stiegen, war das Wetter zwar  nicht ganz so schlimm, wie wir es uns erwartet hatten, aber es  war definitiv eine Umstellung. Am Flughafen angekommen wurden wir dann sehr nett von einer live Band begrüßt, die am Flughafen spielt. Die Lage am Gepäckband war dagegen jedoch um einiges stressiger. Man muss es sich quasi so vorstellen, als wenn alle 100-150 (oder vielleicht auch mehr) Passagiere aus dem Flugzeug in einem kleinen Klassenraum stehen und jeder irgendwie versucht sein Gepäck zu finden. Die Hauptsache war aber, dass mein Gepäck gut angekommen ist (lach).

Vom Flughafen ging es dann durch die Stadt zu unserer Jugendherberge, die ein bisschen außerhalb von Accra lag, in der wir auch die nächsten 3 Tage verbringenden sollten. Schon auf dem Weg zur Jugendherberge wurde uns allen klar, dass wir in der kommenden Zeit ganz viele neue Sachen erleben sollen. So war überall auf den Straßen noch sehr viel los und wir sahen viele Leute, die Lebensmittel und andere Sachen, die sie auf ihren Kopf trugen,  auf der Straße verkauften. Zwar muss man sich erst mal daran gewöhnen, aber es kann schon sehr praktisch sein, wenn man auf dem Weg nach Hause von der Arbeit im Stau Toilettenpapier oder einen kurzen Snack kaufen kann, indem man einfach seinen Arm aus dem Bus streckt.                                                                                   Zum Verkehr kann ich sonst nur noch sagen, dass uns allen sehr schnell klar geworden ist, warum es uns nicht erlaubt  ein Auto hier zu fahren. Zwar habe ich hier (glücklicherweise) noch keinen richtigen Unfall gesehen (dass sich Autos streifen zählt hier glaube ich nicht), aber dafür schon gefühlt 1000 beinah Unfälle. 

In den ersten drei Tagen hatten wir dann nochmal eine Art Vorbereitungsseminar auf dem uns verschiedene Sachen beigebracht wurden. So hatten wir z.B. einen Sprachkurs in Twi und ein paar Tipps wie man Gesund bleibt.

 
Aussicht von unserer Jugendherberge

Nach diesen drei Tagen ging es dann endlich zu unseren Gastfamilien! Und ich hätte mir den Empfang wirklich nicht freundlicher vorstellen können. Ich wurde mit einem „Welcome Simon“ Kuchen empfangen und die kleine Enkelin meiner Gastmutter hatte ein Bild für mich gemalt. Auch im weiteren Verlauf stellte sich meine Gastfamilie als sehr sehr freundlich und offen heraus. Sie erkunden sich immer nach meinen Wohlergehen und wollen nur das Beste für mich. So macht sich meine Gastmutter z.B. immer Sorgen, dass ich doch mehr Essen sollte, weil man hier in Ghana eher größere Portionen isst, und sie sonst befürchtet, dass ich Hunger hätte, was nicht der Fall sein darf, weil ich jetzt auch eines ihrer Kinder bin.  Apropos Essen: Das Essen schmeckt mir bisher besonders gut. Ich habe schon typische Gerichte, wie „Fufu“, „Banku“, „Yams“ und Kochbananen probiert und besonders die schärferen Gerichte gefallen mir sehr gut. 

Mein Wilkommenskuchen


Am Dienstag ging es dann auch zum ersten Mal zu unseren Projekten. Um zu meiner Schule zu kommen, muss ich von mir zu Hause den Bus bzw. „Trotro“ (auf Twi) nehmen.  Dies war und ist auf jeden Fall immer noch ein Abenteuer! Die Buse fahren nämlich an den Stationen vorbei und der sogenannte „Mate“ ruft aus dem Bus heraus, wo es hin geht. Bei den ersten Malen hatte ich ein bisschen Schwierigkeiten dies zu verstehen, aber mittlerweile geht es schon viel einfacher und ein echter Vorteil ist, dass die Busfahrten sehr billig sind. So bezahle ich für meine 30-40 minütige Fahrt zur Arbeit umgerechnet ein bisschen weniger als 50 Cent. 


Als ich an meiner Schule angekommen bin wurde ich von der Schulleiterin empfangen und durfte erstmals zuhören, wie die Schüler morgens die ghanaische Nationalhymne und die Schulhymne singen.  Dies fand ich sehr schön und emotional. Anschließend wurde ich von einem Lehrer durch die Schule geführt und jeder Klasse vorgestellt. Es war sehr schön zu sehen, wie sich die Schüler gefreut haben, als sie hörten, dass ich sie unterrichten würde. Außerdem bekam ich von jeder Klasse einen Applaus, was sehr nett war. Nachdem ich allen vorgestellt wurde, war mein erster Arbeitstag auch schon vorbei, da es erst am nächsten Tag „richtig“ los gehen sollte.

Dies hatte aber den Vorteil, dass ich an einer Stadttour von amerikanischen Austauschülern meiner Organisation hier vor Ort teilnehmen konnte! So sah ich u.a. das Sportstadion, in dem die meisten Spiele der Fußballnationalmannschaft Ghanas ausgetragen werden. Des Weiteren besuchten wir die Gedenkstätte des ersten ghanaischen Präsidenten, welcher für die Unabhängigkeit Ghanas sorgte. Daraufhin besuchte ich noch mit Freunden die „University of Ghana“, wo ich dann auch zum ersten Mal Fufu essen durfte, eines der Hauptgerichte Ghanas.

 
Gedenkstätte des ersten Präsidenten Ghanas
Fufu zum ersten Mal
Die nächsten Arbeitstage sollten dann durchaus stressiger werden als mein erster. So dauerte es ein bisschen, bis ich dann endlich meinen Stundenplan bekam, welcher sich bis jetzt schon oft verändert hat und es wohl auch noch ein bisschen tun wird…(^^)                                                                     Bald erfuhr ich auch, dass ich momentan der einzige Sportlehrer auf meiner Schule bin, da der letztjährige erst vor kurzem aufgehört hatte. Deshalb hatte ich dann auch schnell meine erste Sportstunde. Das einzige Problem war, dass ich mit einer Klasse von max. 30 Kindern gerechnet habe. Hier haben jedoch immer zwei Klassen gleichzeitig Sport und somit standen dann auf einmal 60(!) Kinder vor mir. Dies war natürlich erst mal sehr stressig, stellte sich aber gleichzeitig als sehr spannend und lustig heraus, da die Kinder hier sehr nett und freundlich sind. Bisher durfte ich schon fast alle Altersklassen unterrichten, also so ziemlich alles von Kindergartenkindern bis zu 15-16 jährigen Schülern.  Auch meine erste ICT (Informatik) Stunde verlief eigentlich sehr problemlos, außer, dass ich manchmal noch ein bisschen Schwierigkeiten habe, die kleinen Kinder zu verstehen, was sich aber bestimmt mit der Zeit legen wird…

Insgesamt fühle ich mich schon sehr wohl hier und bin gespannt wie die nächsten Monate so sein werden. Im momentan muss ich mich zwar noch an vieles gewöhnen, weil das Leben hier schon sehr unterschiedlich ist, im Vergleich zu Deutschland, aber alle Leute, die ich bisher hier kennen gelernt habe, erleichtern mir die Eingewöhnung und Anpassung und ich bin mir sicher, dass ich mich sehr bald an das Leben hier gewöhnt habe.
Im nächsten Blogeintrag werde ich euch dann ein bisschen mehr über das Leben hier erzählen und die weiteren Erfahrungen, die ich in meinem Projekt gesammelt habe.