Montag, 19. September 2016

Eine Woche - 1000 Erfahrungen




So, hier ist nun auch endlich das erste “Lebenszeichen” von mir. Ich bin jetzt mittlerweile über eine Woche in Accra, der Hauptstadt Ghanas. Dennoch fühlt es sich nicht wie 10 Tage an, sondern eher wie einen Monat und gleichzeitig manchmal auch nur wie eins bis zwei Tage. Auf der einen Seite vergeht die Zeit so schnell, weil man jeden Tag, jede Stunde, man könnte sogar schon fast sagen jede Minute etwas neues sieht oder erlebt.  Aber auch genau diese große Anzahl an Erlebnissen und Erfahrungen, sind so viele an der Zahl, dass es sich schon sehr lange her anfühlt, seit ich in Deutschland ins Flugzeug gestiegen.

Aber fangen wir von vorne an. Der Flug von Düsseldorf über Amsterdam nach Accra war sehr nett und unproblematisch. Als wir dann in Ghana aus dem Flugzeug stiegen, war das Wetter zwar  nicht ganz so schlimm, wie wir es uns erwartet hatten, aber es  war definitiv eine Umstellung. Am Flughafen angekommen wurden wir dann sehr nett von einer live Band begrüßt, die am Flughafen spielt. Die Lage am Gepäckband war dagegen jedoch um einiges stressiger. Man muss es sich quasi so vorstellen, als wenn alle 100-150 (oder vielleicht auch mehr) Passagiere aus dem Flugzeug in einem kleinen Klassenraum stehen und jeder irgendwie versucht sein Gepäck zu finden. Die Hauptsache war aber, dass mein Gepäck gut angekommen ist (lach).

Vom Flughafen ging es dann durch die Stadt zu unserer Jugendherberge, die ein bisschen außerhalb von Accra lag, in der wir auch die nächsten 3 Tage verbringenden sollten. Schon auf dem Weg zur Jugendherberge wurde uns allen klar, dass wir in der kommenden Zeit ganz viele neue Sachen erleben sollen. So war überall auf den Straßen noch sehr viel los und wir sahen viele Leute, die Lebensmittel und andere Sachen, die sie auf ihren Kopf trugen,  auf der Straße verkauften. Zwar muss man sich erst mal daran gewöhnen, aber es kann schon sehr praktisch sein, wenn man auf dem Weg nach Hause von der Arbeit im Stau Toilettenpapier oder einen kurzen Snack kaufen kann, indem man einfach seinen Arm aus dem Bus streckt.                                                                                   Zum Verkehr kann ich sonst nur noch sagen, dass uns allen sehr schnell klar geworden ist, warum es uns nicht erlaubt  ein Auto hier zu fahren. Zwar habe ich hier (glücklicherweise) noch keinen richtigen Unfall gesehen (dass sich Autos streifen zählt hier glaube ich nicht), aber dafür schon gefühlt 1000 beinah Unfälle. 

In den ersten drei Tagen hatten wir dann nochmal eine Art Vorbereitungsseminar auf dem uns verschiedene Sachen beigebracht wurden. So hatten wir z.B. einen Sprachkurs in Twi und ein paar Tipps wie man Gesund bleibt.

 
Aussicht von unserer Jugendherberge

Nach diesen drei Tagen ging es dann endlich zu unseren Gastfamilien! Und ich hätte mir den Empfang wirklich nicht freundlicher vorstellen können. Ich wurde mit einem „Welcome Simon“ Kuchen empfangen und die kleine Enkelin meiner Gastmutter hatte ein Bild für mich gemalt. Auch im weiteren Verlauf stellte sich meine Gastfamilie als sehr sehr freundlich und offen heraus. Sie erkunden sich immer nach meinen Wohlergehen und wollen nur das Beste für mich. So macht sich meine Gastmutter z.B. immer Sorgen, dass ich doch mehr Essen sollte, weil man hier in Ghana eher größere Portionen isst, und sie sonst befürchtet, dass ich Hunger hätte, was nicht der Fall sein darf, weil ich jetzt auch eines ihrer Kinder bin.  Apropos Essen: Das Essen schmeckt mir bisher besonders gut. Ich habe schon typische Gerichte, wie „Fufu“, „Banku“, „Yams“ und Kochbananen probiert und besonders die schärferen Gerichte gefallen mir sehr gut. 

Mein Wilkommenskuchen


Am Dienstag ging es dann auch zum ersten Mal zu unseren Projekten. Um zu meiner Schule zu kommen, muss ich von mir zu Hause den Bus bzw. „Trotro“ (auf Twi) nehmen.  Dies war und ist auf jeden Fall immer noch ein Abenteuer! Die Buse fahren nämlich an den Stationen vorbei und der sogenannte „Mate“ ruft aus dem Bus heraus, wo es hin geht. Bei den ersten Malen hatte ich ein bisschen Schwierigkeiten dies zu verstehen, aber mittlerweile geht es schon viel einfacher und ein echter Vorteil ist, dass die Busfahrten sehr billig sind. So bezahle ich für meine 30-40 minütige Fahrt zur Arbeit umgerechnet ein bisschen weniger als 50 Cent. 


Als ich an meiner Schule angekommen bin wurde ich von der Schulleiterin empfangen und durfte erstmals zuhören, wie die Schüler morgens die ghanaische Nationalhymne und die Schulhymne singen.  Dies fand ich sehr schön und emotional. Anschließend wurde ich von einem Lehrer durch die Schule geführt und jeder Klasse vorgestellt. Es war sehr schön zu sehen, wie sich die Schüler gefreut haben, als sie hörten, dass ich sie unterrichten würde. Außerdem bekam ich von jeder Klasse einen Applaus, was sehr nett war. Nachdem ich allen vorgestellt wurde, war mein erster Arbeitstag auch schon vorbei, da es erst am nächsten Tag „richtig“ los gehen sollte.

Dies hatte aber den Vorteil, dass ich an einer Stadttour von amerikanischen Austauschülern meiner Organisation hier vor Ort teilnehmen konnte! So sah ich u.a. das Sportstadion, in dem die meisten Spiele der Fußballnationalmannschaft Ghanas ausgetragen werden. Des Weiteren besuchten wir die Gedenkstätte des ersten ghanaischen Präsidenten, welcher für die Unabhängigkeit Ghanas sorgte. Daraufhin besuchte ich noch mit Freunden die „University of Ghana“, wo ich dann auch zum ersten Mal Fufu essen durfte, eines der Hauptgerichte Ghanas.

 
Gedenkstätte des ersten Präsidenten Ghanas
Fufu zum ersten Mal
Die nächsten Arbeitstage sollten dann durchaus stressiger werden als mein erster. So dauerte es ein bisschen, bis ich dann endlich meinen Stundenplan bekam, welcher sich bis jetzt schon oft verändert hat und es wohl auch noch ein bisschen tun wird…(^^)                                                                     Bald erfuhr ich auch, dass ich momentan der einzige Sportlehrer auf meiner Schule bin, da der letztjährige erst vor kurzem aufgehört hatte. Deshalb hatte ich dann auch schnell meine erste Sportstunde. Das einzige Problem war, dass ich mit einer Klasse von max. 30 Kindern gerechnet habe. Hier haben jedoch immer zwei Klassen gleichzeitig Sport und somit standen dann auf einmal 60(!) Kinder vor mir. Dies war natürlich erst mal sehr stressig, stellte sich aber gleichzeitig als sehr spannend und lustig heraus, da die Kinder hier sehr nett und freundlich sind. Bisher durfte ich schon fast alle Altersklassen unterrichten, also so ziemlich alles von Kindergartenkindern bis zu 15-16 jährigen Schülern.  Auch meine erste ICT (Informatik) Stunde verlief eigentlich sehr problemlos, außer, dass ich manchmal noch ein bisschen Schwierigkeiten habe, die kleinen Kinder zu verstehen, was sich aber bestimmt mit der Zeit legen wird…

Insgesamt fühle ich mich schon sehr wohl hier und bin gespannt wie die nächsten Monate so sein werden. Im momentan muss ich mich zwar noch an vieles gewöhnen, weil das Leben hier schon sehr unterschiedlich ist, im Vergleich zu Deutschland, aber alle Leute, die ich bisher hier kennen gelernt habe, erleichtern mir die Eingewöhnung und Anpassung und ich bin mir sicher, dass ich mich sehr bald an das Leben hier gewöhnt habe.
Im nächsten Blogeintrag werde ich euch dann ein bisschen mehr über das Leben hier erzählen und die weiteren Erfahrungen, die ich in meinem Projekt gesammelt habe. 



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