Freitag, 30. September 2016

Tagesablauf, erster Kirchenbesuch und Ausflug zum Strand



Nachdem ich schon von einigen Leuten gefragt wurden bin, möchte ich diesmal, bevor ich erzähle, was es so neues gibt, ein bisschen meinen Tagesablauf schildern:

Morgens wache ich immer um 5/5:30 Uhr auf, um mich fertig zu machen. Für viele und anfangs auch für mich, hört sich das sehr früh an, aber in Ghana ist Frühaufstehen etwas ganz normales. Dies hat meiner Meinung nach damit zu tun, dass es erstens morgens noch kühler ist (bedeutet nur um die 25-27 Grad) und es auch abends sehr früh, meistens gegen 18 Uhr, dunkel wird. Ein weiterer Grund ist, dass man in Accra eigentlich zu jeder Tageszeit und an jedem Ort mit Verkehr rechnen muss und darum der Weg zur Arbeit oftmals viel länger dauert, als eigentlich geplant. Nachdem ich mich also zu Hause fertig gemacht habe, nehme ich den TroTro um zur Arbeit zu kommen. Obwohl die Schule erst um 8:00 Uhr los geht, müssen alle Schüler und Lehrer schon um 7:30 Uhr da sein, da dann die Schule gesäubert wird und alle Klassenräume auf vorder man gebracht werden. Um 8 Uhr versammeln sich dann alle Schüler auf dem Pausenhof und halten ein Gebet, singen ein Kirchenlied und zu guter Letzt die Nationalhymne, bevor sie dann, unter Begleitung der schuleigenen Band, in die Klassenräume zurück marschieren (hört sich ernster an, als es eigentlich ist). Anschließend fange ich meistens morgens mit den Sportstunden an, und werde dann zukünftig (sobald es noch einen anderen Sportlehrer gibt) mittags Informatik unterrichten. Der Schulschluss ist um 16 Uhr, wobei jeder Tag ein bisschen anders ist. So haben die Schüler donnerstags und freitags Nachmittag die Möglichkeit verschiedene Sportarten auszuüben. Am Donnerstag Morgen wiederum entfällt z.B. die erste Stunde und es findet dafür ein kleiner Gottesdienst statt. Um 16 Uhr mache ich mich dann also meistens auf den Weg nach Hause, wo ich dann Zeit mit meiner Gastfamilie verbringe und wir gemeinsam Abendessen. Mein Tag endet schließlich auch schon relativ früh, da ich meistens gegen 10 Uhr schlafen gehe, um am nächsten Tag wieder fit zu sein^^

Am Samstag ging ich dann zum zweiten Mal mit meiner Gastfamilie in die Kirche. Und genauso wie beim ersten Mal war es auch diesmal wieder sehr unterhaltsam.  Bevor der Gottesdienst los geht besuche ich mit meinem Gastbruder und meiner Gasmutter eine Schule innerhalb der Kirche, in welcher bestimmte Auszüge aus der Bibel diskutiertwerden. 
 An dieser Stelle möchte ich nur kurz hinzufügen, dass Diskussionen über Gott, Jesus, die Bibel etc. zum alltäglichen Gesprächsstoff der Ghanaer gehört. Des Weiteren wurde ich auch schon gefühlt so oft gefragt, ob ich Christ bin, wie ich gefragt wurden bin, woher ich denn kommen würde.    

Aber kommen wir wieder auf das Wesentliche zurück: Bei meinem ersten Kirchenbesuch wurde ich schon der ganzen Gemeinde vorgestellt, wurde anschließend von vielen Leuten willkommen geheißen und bekam sogar ein Willkommensgetränk (welches außerordentlich lecker war^^). Des Weiteren spielte eine Marching Band, es wurde ausgelassen gesungen und was mich auch sehr überrascht hat, war die große Anzahl von Kindern, welche ungefähr ein Drittel der Anwesenden einnahm und welche auch einige Lieder und andere Dinge präsentierten. Am Samstag wurde dann auch zum ersten Mal ein bisschen getanzt und natürlich wieder ausgiebig gesungen.
Letzte Woche bekamen wir (die anderen Freiwilligen und ich) auch unser “richtiges” Visum, mit dem wir das ganze nächste Jahr hier bleiben dürfen (Wuhu!). Am Tag darauf trafen wir uns alle, um an einer Veranstaltung teilzunehmen, bei der für friedliche Wahlen in Ghana geworben wurde. Dafür muss ich auf der einen Seite erwähnen, dass im Dezember in Ghana sehr wichtige Wahlen anstehen. Es geht nicht nur um das Amt des Präsidenten, sondern auch um das Parlament. Außerdem ist es auch wichtig zu sagen, dass die letzten Wahlen in Ghana allesamt friedlich abliefen. Dennoch ist es den Leuten hier besonders wichtig, dass dies auch so bleibt, da es in vielen anderen afrikanischen Ländern leider nicht so ist und dort oftmals der Wahlkampf in  einen richtigen Kampf mündet. Aus diesem Grunde hörten wir uns von verschiedenen Personen Reden darüber an, wie wichtig es ist, den Frieden beizubehalten und was für eine besondere und wichtige Rolle die Jugend in diesem Zusammenhang spielt. Wie uns in den darauffolgenden Tagen mitgeteilt wurde, wurde sogar über dieses Treffen in den Medien berichtet.

Nachdem wir alle anschließend zusammen gegessen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Bojo Beach, um den Tag entspannt ausklingen zu lassen. Und Bojo Beach übertraf wirklich alle unsere Erwartungen. Bojo Beach ist nämlich wie eine kleine Strandinsel! Um auf diese zu kommen muss man erstmals mit einem Kanu auf die andere Seite kommen.  Als wir dann also auf der anderen Seite waren, dauerte es auch gar nicht lange, bis wir endlich ins Meer gingen. Die Wellen waren wirklich fantastisch und es hat sehr viel Spaß gemacht. Außerdem war es für uns alle sehr lustig, da das Meer wärmer war als unsere tägliche Duschen, was wir so noch nie erlebt hatten. Nachdem wir genug Zeit im Meer verbracht hatten, spielten wir mit den anderen Leuten am Strand Volleyball. Was außerdem noch sehr cool und lustig war, war, dass es in der Mitte des Strandes eine Art Tanzfläche gab, auf der die ganze Zeit wild und ausgelassen getanzt wurden ist. Dies ließen wir uns natürlich auch nicht entgehen. Nachdem wir dann geschwommen, Volleyball gespielt und getanzt hatten, ging es dann gegen Abend wieder zurück nach Hause.




(Ignoriert mich einfach^^)


So, ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesen und habt nun einen besseren Einblick in mein tägliches Leben hier bekommen. Falls Ihr Fragen, Anmerkungen oder sonst was habt, dann hinterlasst doch einen Kommentar! :)

Montag, 19. September 2016

Eine Woche - 1000 Erfahrungen




So, hier ist nun auch endlich das erste “Lebenszeichen” von mir. Ich bin jetzt mittlerweile über eine Woche in Accra, der Hauptstadt Ghanas. Dennoch fühlt es sich nicht wie 10 Tage an, sondern eher wie einen Monat und gleichzeitig manchmal auch nur wie eins bis zwei Tage. Auf der einen Seite vergeht die Zeit so schnell, weil man jeden Tag, jede Stunde, man könnte sogar schon fast sagen jede Minute etwas neues sieht oder erlebt.  Aber auch genau diese große Anzahl an Erlebnissen und Erfahrungen, sind so viele an der Zahl, dass es sich schon sehr lange her anfühlt, seit ich in Deutschland ins Flugzeug gestiegen.

Aber fangen wir von vorne an. Der Flug von Düsseldorf über Amsterdam nach Accra war sehr nett und unproblematisch. Als wir dann in Ghana aus dem Flugzeug stiegen, war das Wetter zwar  nicht ganz so schlimm, wie wir es uns erwartet hatten, aber es  war definitiv eine Umstellung. Am Flughafen angekommen wurden wir dann sehr nett von einer live Band begrüßt, die am Flughafen spielt. Die Lage am Gepäckband war dagegen jedoch um einiges stressiger. Man muss es sich quasi so vorstellen, als wenn alle 100-150 (oder vielleicht auch mehr) Passagiere aus dem Flugzeug in einem kleinen Klassenraum stehen und jeder irgendwie versucht sein Gepäck zu finden. Die Hauptsache war aber, dass mein Gepäck gut angekommen ist (lach).

Vom Flughafen ging es dann durch die Stadt zu unserer Jugendherberge, die ein bisschen außerhalb von Accra lag, in der wir auch die nächsten 3 Tage verbringenden sollten. Schon auf dem Weg zur Jugendherberge wurde uns allen klar, dass wir in der kommenden Zeit ganz viele neue Sachen erleben sollen. So war überall auf den Straßen noch sehr viel los und wir sahen viele Leute, die Lebensmittel und andere Sachen, die sie auf ihren Kopf trugen,  auf der Straße verkauften. Zwar muss man sich erst mal daran gewöhnen, aber es kann schon sehr praktisch sein, wenn man auf dem Weg nach Hause von der Arbeit im Stau Toilettenpapier oder einen kurzen Snack kaufen kann, indem man einfach seinen Arm aus dem Bus streckt.                                                                                   Zum Verkehr kann ich sonst nur noch sagen, dass uns allen sehr schnell klar geworden ist, warum es uns nicht erlaubt  ein Auto hier zu fahren. Zwar habe ich hier (glücklicherweise) noch keinen richtigen Unfall gesehen (dass sich Autos streifen zählt hier glaube ich nicht), aber dafür schon gefühlt 1000 beinah Unfälle. 

In den ersten drei Tagen hatten wir dann nochmal eine Art Vorbereitungsseminar auf dem uns verschiedene Sachen beigebracht wurden. So hatten wir z.B. einen Sprachkurs in Twi und ein paar Tipps wie man Gesund bleibt.

 
Aussicht von unserer Jugendherberge

Nach diesen drei Tagen ging es dann endlich zu unseren Gastfamilien! Und ich hätte mir den Empfang wirklich nicht freundlicher vorstellen können. Ich wurde mit einem „Welcome Simon“ Kuchen empfangen und die kleine Enkelin meiner Gastmutter hatte ein Bild für mich gemalt. Auch im weiteren Verlauf stellte sich meine Gastfamilie als sehr sehr freundlich und offen heraus. Sie erkunden sich immer nach meinen Wohlergehen und wollen nur das Beste für mich. So macht sich meine Gastmutter z.B. immer Sorgen, dass ich doch mehr Essen sollte, weil man hier in Ghana eher größere Portionen isst, und sie sonst befürchtet, dass ich Hunger hätte, was nicht der Fall sein darf, weil ich jetzt auch eines ihrer Kinder bin.  Apropos Essen: Das Essen schmeckt mir bisher besonders gut. Ich habe schon typische Gerichte, wie „Fufu“, „Banku“, „Yams“ und Kochbananen probiert und besonders die schärferen Gerichte gefallen mir sehr gut. 

Mein Wilkommenskuchen


Am Dienstag ging es dann auch zum ersten Mal zu unseren Projekten. Um zu meiner Schule zu kommen, muss ich von mir zu Hause den Bus bzw. „Trotro“ (auf Twi) nehmen.  Dies war und ist auf jeden Fall immer noch ein Abenteuer! Die Buse fahren nämlich an den Stationen vorbei und der sogenannte „Mate“ ruft aus dem Bus heraus, wo es hin geht. Bei den ersten Malen hatte ich ein bisschen Schwierigkeiten dies zu verstehen, aber mittlerweile geht es schon viel einfacher und ein echter Vorteil ist, dass die Busfahrten sehr billig sind. So bezahle ich für meine 30-40 minütige Fahrt zur Arbeit umgerechnet ein bisschen weniger als 50 Cent. 


Als ich an meiner Schule angekommen bin wurde ich von der Schulleiterin empfangen und durfte erstmals zuhören, wie die Schüler morgens die ghanaische Nationalhymne und die Schulhymne singen.  Dies fand ich sehr schön und emotional. Anschließend wurde ich von einem Lehrer durch die Schule geführt und jeder Klasse vorgestellt. Es war sehr schön zu sehen, wie sich die Schüler gefreut haben, als sie hörten, dass ich sie unterrichten würde. Außerdem bekam ich von jeder Klasse einen Applaus, was sehr nett war. Nachdem ich allen vorgestellt wurde, war mein erster Arbeitstag auch schon vorbei, da es erst am nächsten Tag „richtig“ los gehen sollte.

Dies hatte aber den Vorteil, dass ich an einer Stadttour von amerikanischen Austauschülern meiner Organisation hier vor Ort teilnehmen konnte! So sah ich u.a. das Sportstadion, in dem die meisten Spiele der Fußballnationalmannschaft Ghanas ausgetragen werden. Des Weiteren besuchten wir die Gedenkstätte des ersten ghanaischen Präsidenten, welcher für die Unabhängigkeit Ghanas sorgte. Daraufhin besuchte ich noch mit Freunden die „University of Ghana“, wo ich dann auch zum ersten Mal Fufu essen durfte, eines der Hauptgerichte Ghanas.

 
Gedenkstätte des ersten Präsidenten Ghanas
Fufu zum ersten Mal
Die nächsten Arbeitstage sollten dann durchaus stressiger werden als mein erster. So dauerte es ein bisschen, bis ich dann endlich meinen Stundenplan bekam, welcher sich bis jetzt schon oft verändert hat und es wohl auch noch ein bisschen tun wird…(^^)                                                                     Bald erfuhr ich auch, dass ich momentan der einzige Sportlehrer auf meiner Schule bin, da der letztjährige erst vor kurzem aufgehört hatte. Deshalb hatte ich dann auch schnell meine erste Sportstunde. Das einzige Problem war, dass ich mit einer Klasse von max. 30 Kindern gerechnet habe. Hier haben jedoch immer zwei Klassen gleichzeitig Sport und somit standen dann auf einmal 60(!) Kinder vor mir. Dies war natürlich erst mal sehr stressig, stellte sich aber gleichzeitig als sehr spannend und lustig heraus, da die Kinder hier sehr nett und freundlich sind. Bisher durfte ich schon fast alle Altersklassen unterrichten, also so ziemlich alles von Kindergartenkindern bis zu 15-16 jährigen Schülern.  Auch meine erste ICT (Informatik) Stunde verlief eigentlich sehr problemlos, außer, dass ich manchmal noch ein bisschen Schwierigkeiten habe, die kleinen Kinder zu verstehen, was sich aber bestimmt mit der Zeit legen wird…

Insgesamt fühle ich mich schon sehr wohl hier und bin gespannt wie die nächsten Monate so sein werden. Im momentan muss ich mich zwar noch an vieles gewöhnen, weil das Leben hier schon sehr unterschiedlich ist, im Vergleich zu Deutschland, aber alle Leute, die ich bisher hier kennen gelernt habe, erleichtern mir die Eingewöhnung und Anpassung und ich bin mir sicher, dass ich mich sehr bald an das Leben hier gewöhnt habe.
Im nächsten Blogeintrag werde ich euch dann ein bisschen mehr über das Leben hier erzählen und die weiteren Erfahrungen, die ich in meinem Projekt gesammelt habe.