Freitag, 17. Februar 2017

Alles nur für den Lebenslauf?


Wie schon beim letzten Mal angekündigt, werde ich Euch in diesem Blogeintrag ein bisschen über meine Reise nach Weihnachten berichten. Darüber hinaus möchte ich Euch natürlich auch nicht vorbehalten, wie mein Silvester hier war und das „Mid of Stay Seminar“, welches am Anfang des Jahres stattfand. Aber machen wir eins nach dem anderen…

                     Reisetagebuch Part III: „Volta Region“

Zuerst einmal möchte ich Euch darüber erzählen, wie wir hier immer so unsere Reisen planen. Wie schon erwähnt, waren ich um Weihnachten herum bei Annika und Sarah, zwei Mitfreiwillige von mir. Wir hatten uns zwar schon darauf festgelegt, dass es diesmal in die Volta Region gehen soll, aber wohin genau, das hatten wir uns noch nicht so richtig überlegt. So guckten wir dann am Tag vor unserer Reise mal in einem Reiseführer nach, was es alles so in der Volta Region zu sehen gibt und schrieben uns dann auch noch ein paar Unterkünfte heraus, die wir in Betracht ziehen könnten. Am nächsten Tag trafen wir uns dann alle mit Franzi, einer weiteren Freiwilligen, suchten ein Tro Tro, das in die Volta Region fuhr und los konnte es gehen…

Ich finde diese Art der Urlaubsplanung sehr viel entspannter, als die meisten Urlaubsplanungen in Deutschland. Meine Mutter wird jetzt bestimmt lachen, weil sie eigentlich fast alle Urlaube in meinem Leben geplant hat, aber dennoch muss man sich ja meistens frühzeitig Gedanken machen, wo es den hingehen soll, damit man noch günstige Unterkünfte oder Flüge bekommt. Hier hingegen sucht man sich einfach sein Ziel raus, findet ein Tro Tro, was einen dort hin bringt und vor Ort findet man schon immer einen Unterkunft. Und manche von Euch werden sich jetzt bestimmt denken, in den Unterkünften, die man dann noch findet, möchte man aber eigentlich nicht freiwillig schlafen. Dies trifft aber bisher noch gar nicht auf meine Erfahrungen zu. Alle Hostels, die ich bisher hier besucht habe, waren gut ausgestattet und hatten alles vor Ort, was man so braucht.

Unser Ziel war diesmal Ho-Hoe, einer der größeren Städte in der Volta Region. Auf dem Weg dorthin machten wir jedoch einen Stopp an der „Tafi-Atome Monkey Sanctuary“. Dies ist ein kleines Naturreservat, in dem die seltenen Mona-Meerkatzen leben. Auf dem Weg zum Reservat kaufte unser Guide noch schnell ein paar Bananen und schon konnte es los gehen. Es dauerte gar nicht lange, bis wir die ersten Affen zu sehen bekamen, welche meiner Meinung nach wirklich süß und lustig aussehen. Unser Guide erklärte uns anschließend, dass die Affen normalerweise auch auf die Arme und Beine der Besucher klettern. An dem Tag wo wir dort waren, waren davor nur schon sehr viele Gruppen dagewesen, sodass die Affen schon relativ statt waren. Dennoch kamen uns viele von ihnen sehr nahe und nach und nach gelang es jedem von uns die Affen mit unseren Bananen zu füttern. 

So einen hätte ich auch gerne mit nach Hause genommen :)



Nach diesem wirklich schönen Abstecher machten wir uns weiter nach Ho-Hoe. Dort blieben wir jedoch nicht lange, sondern genossen nur schnell eine leckere Portion Fufu und machten uns dann auf den Weg nach Liat-Wote. Von dort aus wollten wir nämlich am nächsten Tag den höchsten Berg Westafrikas besteigen, den Adjafato, welcher 968m hoch ist. Für den Aufstieg brauchten wir knapp eine Stunde und waren danach auch erst mal ein bisschen außer Atmen und staunten nur, als uns unser Führer „Lucky“ erzählte, dass er normalerweise nur zwischen 20-30 Minuten für den Aufstieg braucht. Oben angekommen war unsere Sicht leider nicht so überragend wie wir es gehofft hatten, da der Staub vieles verbarg. An dem Tag, als wir nämlich von Accra los fuhren ging die Hamattan-Saison los. Typisch für diese Saison ist, dass die Tage immer wärmer und trockener werden und dass die Nächte "kühler" (was dann so um die 20-25 Grad wäre) werden. Außerdem ist die Luft durch den Sahara Staub sehr nebelig und staubig und die Sonne war an den ersten Tagen so gut wie nicht zu sehen. Mittlerweile hat sich das aber alles wieder relativiert. Trotz des Staubes konnte man trotzdem einiges sehen und allein der Aufstieg an sich hatte sich schon gelohnt. 


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An dieser Stelle möchte ich kurz einen kleinen Einschub machen: Oben auf dem Berg trafen wir zwei weitere Deutsche. Nachdem wir mit einem von ihnen ins Gespräch kamen und über unsern Freiwilligendienst berichteten,  fragte uns dieser dann nach einer Weile: ,,Das ist aber auch nur gut für den Lebenslauf, oder?“. Leider ist dies nicht das erste Mal, dass ich so eine Aussage gehört habe. Meiner Meinung nach ist so eine Frage oder Aussage totaler Unsinn.  Dieses Jahr ist nicht nur für meinen Lebenslauf, es ist für mein ganzes restliches Leben und wird mein Handeln und Denken für immer beeinflussen. In den letzten Monaten habe ich gefühlt so viel über die Welt gelernt, wie in meinem bisherigen Leben zusammen. Und die Zeit bisher hat mir wirklich geholfen einen anderen Blick auf die Welt zu werfen. Darüber hinaus merke ich immer wieder, wie sehr auch mein Umfeld zu Hause von diesem Jahr beeinflusst wird und sich das Denken oder die Ansichten dieser Personen auch ändern. Als gutes Beispiel fallen mir z.B. meine Großeltern ein, die wahrscheinlich in ihrem restlichen Leben nicht mehr viel von Ghana oder generell Westafrika gehört hätten, außer vielleicht einmal durch die ein oder andere Dokumentation oder kurze Berichte in den Nachrichten. Nun aber berichte ich Ihnen immer wie das Leben hier so ist und so haben sie auch ein viel größeres Verständnis von vielem hier und verfolgen jede noch so kleine Nachricht über Afrika oder Ghana. Darüber hinaus sammelt man natürlich nicht nur prägende Erfahrungen, sondern findet auch viele neue Freunde und lernt ein Land komplett für sich kennen und auch lieben.  Ich könnte hier jetzt noch Seiten weiterschreiben, aber ich denke mein Punkt ist klar: Dieses Jahr ist auf keinen Fall nur dafür da, damit es sich vielleicht irgendwann mal ein zukünftiger Arbeitsgeber ansieht und sich für mich entscheidet. Dieses Jahr ist für mich als Person ein unvergessliches Erlebnis, welches mich für immer prägen wird. 

Soooooooo… (lach). Nachdem wir den Adjafato dann wieder hinabgestiegen waren, machten wir uns noch schnell auf den Weg zum Tagbo Waterfall. Auf den Weg dorthin zeigte uns Lucky verschiedene Pflanzen und Früchte und pflückte für uns unter anderen eine Cacoa Frucht und Papaya, welche wir dann genüsslich am Wasserfall verzehren konnten. Der Wasserfall an sich war wunderschön mitten im Wald gelegen und somit ein super schöner Ort, um nach dem anstrengend Bergsteigen zu entspannen. Am Ende trauten sich Sarah und ich sogar schwimmen zu gehen, obwohl das Wasser dort wirklich eisig kalt war! Am Abend zeigte uns Lucky dann noch die lokale Variante des ghanaischen Gerichts Baanko, welches wir dann mit Buschratte aßen. Hört sich vielleicht ein bisschen komisch an, aber schmeckte echt super

Für alle die dachten, dass Afrika nur aus Sand besteht ;)

Leider kann man die Kälte nicht mit abbilden brrrrrrrr

Am nächsten Tag stand dann der ,,Upper Wli Waterfal“ an. Wem das jetzt irgendwie bekannt vorkommt, nicht wundern! Zusammen mit AFS haben wir im November unsere erste Reise in die Volta Region gemacht und damals den ,,Lower Wli Waterfal“ besucht. Schon damals haben wir erfahren, dass es neben dem ,,Lower Wli Waterfal“ auch den ,,Upper Wli Waterfal“ gibt, welcher jedoch nur über einen lange Wanderung durch den Wald möglich ist. Dennoch wollten wir uns dies natürlich nicht entgehen lassen, vor allen Dingen, weil der höhere der beiden Wasserfälle eigentlich der höchste Wasserfall Westafrikas ist. Nach einem ziemlich abenteuerlichen Wanderweg, waren die Gedanken an diesen jedoch mit einem Schnips weg, als wir den Wasserfall sahen. Es ist wirklich schwierig zu sagen, welcher von beiden schöner ist, da beide wunderbar gelegen sind. Da wir ja bereits schon durch den Vortag abgehärtet waren, gingen wir  hier natürlich auch wieder schwimmen. Danach wurde noch die leckere Paw-Paw Frucht verzehrt und dann konnte es auch schon so langsam wieder auf den Rückweg gehen. Am nächsten Tag war unsere Reise dann auch schon wieder vorbei und es ging wieder nach Accra. 

Silvester
 
Als nächstes stand Silvester vor der Tür. Für Silvester hatten wir uns alle ein paar Zimmer am Strand gemietet, wo es dann auch eine große Party mit einem sehr leckeren Buffet gab.  Und es war wirklich schwer sich an diesem Abend nicht irgendwie wohl zu fühlen und vom alten Jahr Abschied zu nehmen. Auf der einen Seite das Meeresrauschen und der Strand und auf der anderen Seite die Reggae Musik und ein Lagerfeuer. Um 0:00 Uhr gab es dann natürlich auch ein kleines Feuerwerk. Dies war schön, aber nicht mehr so ganz besonders, da die Ghanaer schon seit Weihnachten gefühlt jeden Abend kleine Feuerwerke veranstaltet haben. Die ersten Stunden des Neuesjahr verbrachten wir also am Strand und warteten bis die Sonne über dem Meer aufging.




Mid of Stay Seminar

Wenige Tage später ging es dann weiter zum Mid of Stay Seminar. Dieses Seminar wird von unserer Partnerorganisation vor Ort AFS Ghana veranstaltet und sollte dafür da sein,  unsere bisherige Zeit zu reflektieren und uns z.B. auch Ziele für die kommende Zeit zu stecken. Wir diskutierten verschiedene Sachen, wie die Situation in unseren Gastfamilien, unseren Projekten und natürlich generell das Leben hier und die ghanaische Kultur. Am Ende dieser drei Tage ging es dann zusammen nach Cape Coast, den größten Ort an der Westküste Ghanas.  Auf dem Weg nach Cape Coast besuchten wir den „Kakum National Park“.  Dieser ist einer der größten Attraktionen für Touristen in Ghana. Das besondere hier ist nämlich der sogenannte „Canopy Walkway“.  Dieser ist ein Pfad aus Holzbrücken, der sich zwischen den Baumkronen des Regenwalds befindet, nichts also für Menschen mit Höhenangst.  Dies war wirklich ein einzigartiges und beeindruckendes Erlebnis!





Am nächsten Tag ging es dann leider schon wieder zurück nach Accra, aber bevor wir uns auf den Weg machten, stand noch ein Besuch im „Elmina Castle“ an, einer der alätesten Sklavenburgen der Welt.  Die Burg wurde 1482(!) gebaut und war seitdem unter portugiesischer und anschießend dänischer Führung. Die Führung durch die Burg war wirklich aufschlussreich, aber mindestens genauso traurig. Wir lernten einiges darüber, wie die Sklaven damals behandelt wurden und wie viele Qualen und Schmerzen sie über sich ergehen lassen mussten. Besonders traurig waren die Todeszellen und „the room of no return“ (Der Raum ohne Wiederkehr),  welcher der letzte Ort der Sklaven war, bevor sie nach Europa, Amerika oder in andere Orte der Welt verschleppt wurden sind. Außerdem war auch der Gegensatz zwischen den Unterkünften der Sklaven und den Räumen der Gouverneure sehr krass.  Persönlich empfand ich die Führung und Besichtigung der Burg aber auch noch sehr wertvoll und lehrreich, weil, obwohl das Thema Sklaverei in der Schule angeschnitten wird und man natürlich auch so in seinem Leben darüber lernt,  man sich mit dem Thema in Deutschland eher weniger auseinandergesetzt und einem meistens gar nicht klar wird, wie drastisch dies alles war, bis man es selbst mal vor Gesicht bekommt. 




Nachdem es dann am Samstag wieder nach Hause ging, traf ich mich am nächsten Tag noch einmal kurz mit einem Arbeitskollegen, um den letzten Tag der Ferien zu genießen, da am nächsten Tag der Wecker wieder um 5 Uhr klingeln sollte und die Arbeit wieder los ging. 

In meinem nächsten Blogeintrag werde ich euch dann darüber erzählen, was ich in den letzten Wochen in meinem Projekt so gemacht habe und auch noch einige Aspekte über das Leben hier. Bis dahin lasst es euch gut gehen und bis zum nächsten Mal!

Montag, 23. Januar 2017

Im Königreich der Ashanti & Weihnachten bei 30 Grad+



Reisetagebuch Part II: „Kumasi“

Unsere Weihnachtsferien wollten ein paar meiner Freunde und ich natürlich so gut wie möglich nutzen und überlegten uns daher, was wir denn noch so sehen wollten. Relativ schnell fiel die Wahl auf Kumasi, die zweitgrößte Stadt Ghanas und die Geburtsstädte der Ashanti, dem größten und auch einflussreichsten Stamm Ghanas.

Nach einer ca. 5-6 Stunden langen Busfahrt wurden wir von einem Mitarbeiter von unserer Organisation abgeholt, welcher sich normalerweise um die Freiwilligen in Kumasi kümmert und der so nett war, und uns bei sich und seiner Familie für die erste Nacht aufnahm. Bei ihm angekommen legten wir nur schnell unsere Sachen ab und machten uns dann auf ein bisschen das Nachtleben von Kumasi zu erforschen. Am Ende stellte es sich heraus, dass wir zum Hotel von Anthony Yeboah fuhren, da dort eine Cluberöffnung stattfand. Für alle die sich jetzt denken :,,Anthony Wer?“. Anthony Yeboah ist ein ehemaliger Fußballer, der sehr erfolgreich in Deutschland gespielt hat und auch für die ghanaische Nationalmannschaft. Im Laufe des Abends traf ich Ihn dann sogar und wir haben uns kurz auf Deutsch unterhalten.

Am nächsten Tag holten wir dann unsere Freunde ab, die einen Tag später angereist waren. Zusammen suchten wir nach einer Unterkunft. Gesucht, gefunden, machten wir uns direkt wieder auf, da wir den berühmten Central Market besichtigen wollten. Laut einem Reiseführer ist der Central Market von Kumasi ungefähr so groß wie 14 Fußballfelder und gehört damit zu den größten Märkten Afrikas, wenn nicht sogar der Welt. Und an dieser Stelle möchte ich kurz einschieben, dass Kumasi wirklich eine sehr entspannte Stadt im Vergleich zu Accra ist, und man z.B. abends ruhig über die Straßen schlender kann, was in den meisten Teilen Accras nicht wirklich möglich ist.  Der Central Market ist jedoch eine eigene Welt für sich. Man kann sich, dass dann ungefähr so vorstellen, als wäre man in einem großen Einkaufszentrum, in dem gerade Verkaufsoffener Sonntag ist, Winterschlussverkauf, eine Preisreduzierung von 50% und das dann alles noch zehn Mal schlimmer. Zwar ist der Markt sehr gut in verschiedene Teile unterteilt, aber besonders als „Tourist“ dauert es sehr lange, bis man sich mal einigermaßen zu Recht gefunden hat. Dennoch hat der Markt natürlich auch eine riesengroße Auswahl und bietet einem alles, was man gerade so braucht. Und mit „alles“ meine ich auch alles. So liefen wir z.B. durch die „Tierabteiung“, wo es gefühlt das Fleisch oder Fell von jedem Tier gab. Das war dann nicht ganz nach meinem Geschmack, aber jedem, wie er es braucht.  

Ein ganz kleiner Teil des Marktes

Um uns erst mal ein bisschen zu entspannen fuhren wir am nächsten aus Kumasi heraus und peilten den „Lake Bosumtwi“ an. Dieser stellte sich zu 100% als die erhoffte Erholungsstätte dar. Schon der Weg dahin durch die wunderschönen Süd-Ashanti Berge war sehr eindrucksvoll. Unser Hostel war direkt am See gelegen und somit gingen manche von uns auch direkt schwimmen. Zwar wird einem oftmals gesagt, dass man in stehenden Gewässern hier in Ghana nicht schwimmen gehen soll, weil es eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass man sich mit Bakterien ansteckt, aber der Lake Bosumtwi stellt definitiv eine Ausnahme dar. Der See war super sauber und klar und damit super geeignet, um schwimmen zu gehen. Der See wird von den Ashanti außerdem als heilig angesehen, da sich dort die Gottheit Twi befinden soll. Bei dieser verabschieden sich die Seelen aller toten Ashanti von dieser Welt.  Wir waren gar nicht lange im Wasser und schon wurden wir von ein paar Kindern aus dem Dorf entdeckt, welche sich dann auch später zu uns gesellten und mit uns spielten. Auf jeden Fall eine spaßige Zeit für beide Seiten. Am Abend liefen wir dann noch ein bisschen durch den Ort und ließen den Tag entspannt ausklingen.  






Am nächsten Tag machten wir uns dann auf den Weg zurück nach Kumasi, da wir ja auch dort noch einiges zu sehen hatten.  Als erstes stand das Kulturzentrums Kumasis auf dem Plan. Ähnlich wie der Central Market stellt ist dieser Ort eine kleine Welt für sich selbst, jedoch ein sehr viel entspanntere.  Innerhalb des Kulturzentrums gibt es verschiedene Werkstätten und Shops in denen es so gut geht wie alle traditionellen ghanaischen Produkte gibt. Das coole dabei ist, dass die Sachen alle von den Leuten dort vor Ort selber produziert werden und man so natürlich viele Fragen über die Herstellung oder andere Sachen stellen oder wenn man Glück hat auch selber dabei zu sehen, wie solche Sachen gemacht werden. Darüber hinaus liefen wir außerdem zufällig an zwei Trommelkursen vorbei und hatten so die Möglichkeit deren sehr gute und ins Ohr gehende Musik anzuhören 




Am nächsten Tag ging es dann für uns nochmal zum Central Markt, weil sich einige von uns Stoffe holen wollten. Das mit den Stoffen hier ist nämlich wirklich cool, da es wunderschöne afrikanische Stoffe gibt, die man normalerweise in Europa niemals sieht. Wenn man dann einen Stoff gefunden hat, kauft man sich die gewünscht Anzahl an „yards“  von dem Stoff (je nachdem ob man z.B. eine Hose, ein Hemd oder was anderes will). Diesen bringt man dann zu einer Schneiderin oder einem Schneider und diese/dieser macht einem maßgeschneidert das, was man haben will. 

So sieht's aus, wenn man es auf dem Markt kauft...

Und so, wenn es dann fertig ist :)

Da wir nach diesen zwei Sachen jedoch noch nicht genug hatten, sind wir dann noch weiter zum Manhyia Palace, der Palast der Ashanti, gegangen. Dort wurde nämlich vor wenigen Jahren der alte Palast, der jetzt durch einen neuen in seiner Funktion ersetzt wurden ist, zu einem Museum um dekoriert. Unsere Führung war wirklich sehr interessant und später wussten wir genau darüber Bescheid, wie bei den Ashantis z.B. die Königin oder der König bestimmt werden, was ihr Aufgaben sind und wir das Leben der Königsfamilie so aussieht. Des Weiteren hatte die Führung quasi einen speziellen ghanaischen „Touch“, da leider gerade Stromausfall war und somit kein Licht da war. Für unseren Führer kein Problem! Dieser nahm einfach eine Taschenlampe mit und gab mir eine weitere in die Hand und schon konnte unsere Führung los gehen…

Hat schon was königliches, oder? (lach)
Nachdem wir an diesem Tag somit einiges gesehen hatten, gingen wir zu unserem Hostel zurück und konnten uns am nächsten Tag mit guten Gewissen auf den Rückweg machen.  
Weihnachten

Jeder kennt es: Kurz nach Halloween sieht man schon die ersten Schokoladen Weihnachtsmänner in den Supermärkten, dann zum ersten Mal über den Weihnachtsmarkt schlendern, in den letzten Tagen vor Weihnachten noch schnell die letzten Geschenke kaufen und vielleicht auch draußen im Schnee spielen… Ja, all dies verbinden wir mit der Weihnachtszeit und während dieser Zeit kommt man immer mehr in Weihnachtstimmung. Diese sollte dieses Jahr bei mir irgendwie nicht so richtig aufkommen. 
Es fällt einem eher gesagt ziemlich schwer, immer wieder zu realisieren, dass ja bald Weihnachten vor der Tür steht, wenn es draußen 30-35 Grad (oder noch heißer) ist, man sich die kurzen Hosen anzieht, wenn man raus geht, und man am Wochenende mit den Freunden an Strand geht, um zu schwimmen.  So erging es mir auf jeden Fall in den Wochen vor Weihnachten. Wenn man zufällig mal an einem Laden mit einem kleinen Weihnachtsbaum vorbei lief oder am Sonntag die Glückwünsche zum ersten,  zweiten, dritten und vierten Advent von zu Hause bekommt, dann merkte man erst richtig, dass es ja schon wieder soweit ist. Dies aber bedeutet nicht, dass ich nicht dennoch eine sehr schöne Weihnachtszeit hatte. Ganz im Gegenteil:
Eine Woche vor Weihnachten wurden wir vom Goethe Institut zu deren Weihnachtsfeier eingeladen, welche von einer Freiwilligen aus Deutschland organisiert wurden ist. Als wir dort ankamen konnten wir unseren Augen kaum trauen. Frisch gebackene Waffeln, Vanillekipferl und sogar Lebkuchen. Was aber noch viel interessanter und beeindruckender war, war, dass wir uns mit Ghananern auf Deutsch unterhalten haben. Ja, auf Deutsch! Im Goethe Institut lernen nämlich einige Ghanaer Deutsch, da sie vor haben z.B. in Deutschland zur Uni zu gehen. Obwohl manche von ihnen erst seit einem Jahr deutsch lernten, waren ihre Sprachkenntnisse wirklich beeindrucken und wir konnten leicht eine ganze Unterhaltung führen. Nachdem wir uns alle mit den Leckereien  mehr oder weniger vollgestopft hatten, guckten wir uns anschließend das kleine Weihnachtskonzert an. Zuerst trat ein ghanaischer Chor auf und anschließend sangen alle Anwesenden zusammen deutsche Weihnachtslieder wie „Stille Nacht“ oder „Oh Tannenbaum“. Nachdem das Singen vorbei war, wurden sogar noch mehr Lebkuchen rausgeholt und es gab dazu Kinderpunsch und Glühwein! 


Da meine Familie selber dieses Jahr nichts zu Weihnachten gemacht hat, fuhr ich am 24. zu der Familie von Paul, ein anderer Freiwilliger, da dessen Familie ein großes Familienfest veranstaltete und dazu auch wir Freiwilligen eingeladen waren. Als ich ankam, wurden gerade die letzten Vorkehrungen getroffen, aber mir wurde erzählt, dass schon seit Tagen die ganze Zeit an dem Essen gearbeitet wurde. Und dieses hatte es dann auch wirklich in sich. Es gab alle bekannten ghanaischen Gerichte und die „Groundnutsoup“, eine Soße aus Erdnüssen, die sehr lange zubereitet wurde, war wie das Paradies auf Erden (lach).  Generell war die Stimmung sehr feierlich  und alle amüsierten sich prächtig. So wurde dann noch ein bisschen getanzt und sich den ganzen Abend über unterhalten, bis alle mit vollem Magen schlafen gingen. 

Am nächsten Tag machte ich mich dann  auf nach Hause, um meiner Gastfamilie meine Weihnachtsgeschenke zu geben.  Es ist hier nämlich nicht so wie in Deutschland, dass Heiligabend besonders gefeiert wird, sondern Weihnachten selber, also der 25.12, ist der große Feiertag und somit spielen sich die meisten Feierlichkeiten an diesem Tag ab. Meine Familie war wirklich total überrascht, dass ich für sie ein paar Geschenke hatte und sie habe sich sehr darüber gefreut. 
Am Nachmittag bin ich dann zu Annika und Sarahs Familie gefahren, da die beiden geplant hatten für ihre Familie eine Art deutsches Weihnachtsessen zu machen und ich, trotz meiner linierten Kochfähigkeiten, machte mich so nützlich wie möglich und packte in der Küche mit an. Nach einigen Stunden harter Arbeit hatten wir dann ein wirklich schönes dreigängiges Essen hergezaubert! So gab es unter anderem gefülltes Omelett, Nudelsalat und am Ende eine Art Schoko-Fondue. Bevor wir aber mit dem Essen anfingen, wurde erst noch die Weihnachtsgeschichte vorgelesen und dann sogar diskutiert. Dies war wirklich sehr interessant. Zu unserer aller Freunde schienen den Ghanaern unser Essen sehr zu schmecken. Der restliche Abend wurde dann zusammen verbracht. Am nächsten Morgen besprachen Annika, Sarah und ich dann noch unsere nächste Reise, über die ihr in meinem nächsten Eintrag mehr lesen werdet. 



Im Großen und Ganzen hatte ich also ein sehr schönes Weihnachtsfest und generell eine schöne Weihnachtszeit. Und ich muss wirklich sagen, Weihnachten bei um die 30 Grad, daran könnte ich mich gewöhnen...;)

Mittwoch, 11. Januar 2017

Ausflug ins Paradies und viele Festlichkeiten in der Schule



Hallo Alle zusammen! Ich wünsch Euch allen ein frohes neues Jahr und hoffe, dass Ihr einen guten Start ins neue Jahr hattet. „Frohes Neues“. Ja, da sagst du was Simon, schon ein bisschen her seit wir das letzte Mal von dir gehört haben,  werden sich jetzt bestimmt manche von Euch denken. Und mir bleibt auch nichts anderes übrig, als mich an dieser Stelle dafür zu entschuldigen, dass ich so lange nichts von mir hab hören lassen. Eigentlich hatte ich schon seit langer Zeit mal vorgehabt wieder etwas zu schreiben, aber in den letzten Wochen hab ich dafür so gut wie keine Zeit gefunden, da ich entweder viel auf der Arbeit zu tun hatte oder viel am Reisen war….   
Als Entschuldigung möchte ich Euch jetzt natürlich darüber berichten, was ich in den letzten Wochen so erlebt habe und wo ich mich rum getrieben habe. Da dies alles ein bisschen viel für einen Eintrag wäre, habe ich mir vorgenommen in den nächsten Tagen und Wochen mehrere Posts zu verfassen, damit Ihr auch über alles genau Bescheid wisst.
Dann legen wir doch einfach mal los:

Reisetagebuch Part I: „Paradies ohne Schildkröten“

Vom 2.12-4.12 stand ein langes Wochenende an, da hier am Freitag der sogenannte „Farmers Day“ gefeiert wurde. Diese Möglichkeiten wollten ein paar der anderen Freiwilligen und ich nutzen, um unsere erste kleine Reise zu planen. Als Ziel hatten wir uns schlussendlich den kleinen Ort Ada ausgeguckt, der ungefähr 1 ½ - 2 Stunden östlich von Accra liegt. Auf der einen Seite hatten wir gehört, dass man in Ada wirklich gut entspannen kann, und sich somit mal eine kleine Verschnaufpause von der Großstadt nehmen kann, und auf der anderen Seite (und dies war der Hauptgrund) wollten wir sehen, wie Meeresschildkröten in der Nacht an Strand schwimmen, um dort ihre Eier zu legen, was in Ada sehr gut möglich sein sollte.

Also machten wir uns am Freitagmorgen mit dem Tro Tro nach Ada auf. In Ada angekommen dauerte es nicht mal fünf Minuten, bis wir von ca. 8-10 Männern auf  Motorrädern umringt waren, welche uns anboten, uns zu unserem Hostel zu fahren. An dieser Stelle sollte ich wohl kurz zwei Sachen erklären. Erstens gehören Motorräder hier wie Taxis, Tro Tros, Reisebuse, etc. zu den öffentlichen Fortbewegungsmitteln. Zweitens ist es nicht unüblich, dass sich die Fahrer um die Kunden ringen. Ist halt ein ganz normaler Wettbewerb.                                                                    
So saß dann also jeder einzeln auf einem Motorrad, welches uns zu unserer Unterkunft fahren sollte. Natürlich war es für die ersten Momente ein komisches Gefühl für jeden von uns sich einfach auf das Motorrad eines Fremden zu setzten, welcher damit über die üblichen Sandstraßen und Holperwege hier fahren sollte. Schnell gewöhnten wir uns aber daran und genossen die restliche Zeit und den kühlen Fahrtwind.  Nach kurzer Fahrt wurden wir dann in einem kleinen Fischerort direkt am Strand raus gelassen und liefen von dort den restlichen Weg zu Fuß ab  Am Eingang unseres Hostels wurden wir dann von einem Mann mit den Worten „Welcome to paradise“ begrüßt. Über diese Worte lachten wir da noch herzlich, da wir noch nicht wussten, was uns erwarten sollte.        

Es hat mir sehr viel besser gefallen, als es auf diesem Bild vielleicht aussieht (lach)

Kurz danach war es aber soweit. Es stellte sich heraus, dass unser Hostel auf einer kleinen Sandbank lag, welche rechts vom Meer umgeben war und links vom Volta See. Das ganze „Grundstück“ war von Palmen umgeben, zwischen denen sogar manchmal eine Hängematte aufgespannt war. Auch die Unterkünfte waren prächtig, da man in kleinen Strandhütten untergebracht war, welche komplett im Sand standen. 



Schnell die Sachen abgelegt und schon ging es auf den ersten kleinen Spaziergang entlang des Wassers. Spätestens jetzt war uns klar, was der Mann mit seinen Worten gemeint hatte. Natürlich nutzen wir die Möglichkeit dann auch und gingen im Meer schwimmen. Den Rest des Tages entspannten wir dann nur noch und machten es uns abends an der Bar unseres Hostels gemütlich. Bis um 10 Uhr abends, da wir dann von einer netten und sehr informierten Frau abgeholt wurden, welche mit uns den Strand entlang ging, um dort nach Schildkröten Ausschau zu halten. Stolz erzählte uns die Frau noch, wie sie dieses Jahr auf jeder ihrer Touren mindestens eine Schildkröte gesehen hatte. Somit gingen wir sehr positiv an das Ganze heran. 1 ½- 2 Stunden später und mit total müden Beiden, mussten wir leider einsehen, dass wir an diesem Abend keine Schildkröte zu sehen bekommen sollten. Dies war natürlich enttäuschend, aber auch kein Weltuntergang, da dies einfach der Lauf der Natur ist und man sich die Natur natürlich nicht wie einen Wecker stellen kann.
Von dieser kleinen Enttäuschung ließen wir uns aber natürlich nicht runterziehen. Was auch ziemlich schwer möglich war, wenn man am Meer zwischen Palmen aufwacht. Nach einen kurzen Ausflug in den Nachbarort machten wir uns  auf zum Hafen, da uns in der Nacht davor von einem Ghanaer empfohlen wurde, dass man von dort sehr schöne Bootstouren auf dem See machen kann. Und es sollte wirklich schön werden. Nachdem wir auf dem Volta See rumgefahren waren machten wir einen kleinen Stopp auf der „Crocodile Island“, wo es, wie der Name schön verrät, Krokodile zu sehen gab. Das war auf den ersten Blick erst mal ziemlich cool, besonders, da wir noch eine Fütterung sehen durften, aber nach kurzer Zeit tat es uns allen eigentlich nur Leid, dass so viele Tiere (es waren 9 an der Zahl) auf so einer kleinen Fläche eingesperrt sind.  Nach dieser kurzen Erfahrung ging es auf einem anderen Weg wieder zu unserem Haus zurück.  Nicht weit von unserem Hostel änderte sich aber auf einmal das Wetter und nahm nach unserem Befinden weltuntergangsähnliche Züge an. Glücklicherweise fing es erst so richtig an zu regnen, als wir nur noch wenige Meter von unseren Hütten entfernt waren. Noch besser war, dass sich das Unwetter ebenso schnell verzog wie es aufgekommen war. So konnten wir auch den letzten Abend gemütlich verbringen. Am späten Abend wurde dann sogar noch ein Lagerfeuer gemacht, was uns allen sehr gut gefallen hat.
Am nächsten Tag wurde dann noch einmal die wunderschöne Atmosphäre genossen, noch einmal schwimmen gegangen und dann zu unser aller Bedauern wieder auf den Rückweg gemacht. Unterm Strich stand also ein wunderschönes und erholsame Wochenende und für uns alle war klar, dass dies nicht das letzte Mal in diesem Jahr sein würde, dass wir Ada einen Besuch abstatten würden. Und daran konnten auch die fehlenden Schildkröten nichts ändern (lach) 





Die letzten Schulwochen

Mit fortlaufender Zeit näherten sich dann auch die Ferien und damit auch die letzten Schulwochen. Ca. zweieinhalb Wochen vor den Ferien wurden dann in allen Klassen (außer Kindergarten 1 und 2) und in so gut wie allen Fächern Exams geschrieben. Dies bedeutete, dass während dieser Zeit viel Klausuraufsicht auf dem Plan stand und anschließend viel Korrigieren. Obwohl ich bei den ersten Klausuren sehr aufgeregt war und das Korrigieren sehr viel Spaß gemacht hat, hat es dann auch gar nicht lange gedauert, bis ich verstanden habe, warum sich meine Lehrer oft über das viele Korrigieren aufgeregt haben. 
Dennoch können einen manche Antworten der Schüler sehr zum Lachen bringen und es macht einem auch immer wieder glücklich und auch ein bisschen Stolz, wenn jemand gut abschneidet. Nachdem alle Schüler ihrer Klausuren und damit die Arbeit hinter sich gebracht haben, stand der Spaß im Vordergrund. Zunächst einmal wurde an verschiedenen Tagen für das anstehende Weihnachtskonzert geübt, zu dem dann auch die Eltern eingeladen wurden. Und obwohl ich mir in verschiedenen Momenten während der Proben ein kleines bisschen Sorgen um das Konzert gemacht habe, lief dann alles perfekt. Alle waren sehr zufrieden und hatten ihren Spaß. Die größte Freude hat es mir jedoch bereitet, wie die jüngeren Kinder nach dem Konzert noch für ein bisschen dageblieben sind und alle zusammen „Feliz Navidad“ gesungen haben. Am nächsten Tag stand dann der letzte Schultag für die Kinder an und an diesem fand die sogenannte „End of Year Party“ für die Schüler statt. Dazu durften die Schüler sogar ihre Schuluniformen zu Hause lassen und durften sich den ganzen Tag amüsieren. Dafür wurden unter anderem extra zwei Hüpfburgen bereitgestellt und die jüngeren Kinder konnten sich schminken lassen. Am Ende des Tages gab es dann noch eine Talentshow, bei der das übliche Tanzen hier natürlich nicht fehlen durfte. Mit einer ganze Menge Spaß und Freude ging es dann also für die Schüler in den Ferien. Meine Kollegen und ich mussten am nächsten Tag noch einmal zur Schule kommen. Zuerst stand eine Lehrerkonferenz auf dem Plan, bei der über die letzen Monate geredet wurde und speziell auch wie z.B. die Klausurphase lief. Anschließend wurde die Musik aufgedreht und  auch für die Lehrer wurde ein Buffet aufgestellt und somit hatten auch wir einen gemütlichen Ausklang und ich konnte mich auf drei Wochen Ferien freuen.

So, das war es dann auch für's erste. Aber keine Sorge, der nächste Beitrag ist schon unterwegs . In diesem werde ich dann über meine Reise nach Kumasi erzählen und wie ich die Weihnachtszeitszeit hier so verbracht habe!