Montag, 23. Januar 2017

Im Königreich der Ashanti & Weihnachten bei 30 Grad+



Reisetagebuch Part II: „Kumasi“

Unsere Weihnachtsferien wollten ein paar meiner Freunde und ich natürlich so gut wie möglich nutzen und überlegten uns daher, was wir denn noch so sehen wollten. Relativ schnell fiel die Wahl auf Kumasi, die zweitgrößte Stadt Ghanas und die Geburtsstädte der Ashanti, dem größten und auch einflussreichsten Stamm Ghanas.

Nach einer ca. 5-6 Stunden langen Busfahrt wurden wir von einem Mitarbeiter von unserer Organisation abgeholt, welcher sich normalerweise um die Freiwilligen in Kumasi kümmert und der so nett war, und uns bei sich und seiner Familie für die erste Nacht aufnahm. Bei ihm angekommen legten wir nur schnell unsere Sachen ab und machten uns dann auf ein bisschen das Nachtleben von Kumasi zu erforschen. Am Ende stellte es sich heraus, dass wir zum Hotel von Anthony Yeboah fuhren, da dort eine Cluberöffnung stattfand. Für alle die sich jetzt denken :,,Anthony Wer?“. Anthony Yeboah ist ein ehemaliger Fußballer, der sehr erfolgreich in Deutschland gespielt hat und auch für die ghanaische Nationalmannschaft. Im Laufe des Abends traf ich Ihn dann sogar und wir haben uns kurz auf Deutsch unterhalten.

Am nächsten Tag holten wir dann unsere Freunde ab, die einen Tag später angereist waren. Zusammen suchten wir nach einer Unterkunft. Gesucht, gefunden, machten wir uns direkt wieder auf, da wir den berühmten Central Market besichtigen wollten. Laut einem Reiseführer ist der Central Market von Kumasi ungefähr so groß wie 14 Fußballfelder und gehört damit zu den größten Märkten Afrikas, wenn nicht sogar der Welt. Und an dieser Stelle möchte ich kurz einschieben, dass Kumasi wirklich eine sehr entspannte Stadt im Vergleich zu Accra ist, und man z.B. abends ruhig über die Straßen schlender kann, was in den meisten Teilen Accras nicht wirklich möglich ist.  Der Central Market ist jedoch eine eigene Welt für sich. Man kann sich, dass dann ungefähr so vorstellen, als wäre man in einem großen Einkaufszentrum, in dem gerade Verkaufsoffener Sonntag ist, Winterschlussverkauf, eine Preisreduzierung von 50% und das dann alles noch zehn Mal schlimmer. Zwar ist der Markt sehr gut in verschiedene Teile unterteilt, aber besonders als „Tourist“ dauert es sehr lange, bis man sich mal einigermaßen zu Recht gefunden hat. Dennoch hat der Markt natürlich auch eine riesengroße Auswahl und bietet einem alles, was man gerade so braucht. Und mit „alles“ meine ich auch alles. So liefen wir z.B. durch die „Tierabteiung“, wo es gefühlt das Fleisch oder Fell von jedem Tier gab. Das war dann nicht ganz nach meinem Geschmack, aber jedem, wie er es braucht.  

Ein ganz kleiner Teil des Marktes

Um uns erst mal ein bisschen zu entspannen fuhren wir am nächsten aus Kumasi heraus und peilten den „Lake Bosumtwi“ an. Dieser stellte sich zu 100% als die erhoffte Erholungsstätte dar. Schon der Weg dahin durch die wunderschönen Süd-Ashanti Berge war sehr eindrucksvoll. Unser Hostel war direkt am See gelegen und somit gingen manche von uns auch direkt schwimmen. Zwar wird einem oftmals gesagt, dass man in stehenden Gewässern hier in Ghana nicht schwimmen gehen soll, weil es eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass man sich mit Bakterien ansteckt, aber der Lake Bosumtwi stellt definitiv eine Ausnahme dar. Der See war super sauber und klar und damit super geeignet, um schwimmen zu gehen. Der See wird von den Ashanti außerdem als heilig angesehen, da sich dort die Gottheit Twi befinden soll. Bei dieser verabschieden sich die Seelen aller toten Ashanti von dieser Welt.  Wir waren gar nicht lange im Wasser und schon wurden wir von ein paar Kindern aus dem Dorf entdeckt, welche sich dann auch später zu uns gesellten und mit uns spielten. Auf jeden Fall eine spaßige Zeit für beide Seiten. Am Abend liefen wir dann noch ein bisschen durch den Ort und ließen den Tag entspannt ausklingen.  






Am nächsten Tag machten wir uns dann auf den Weg zurück nach Kumasi, da wir ja auch dort noch einiges zu sehen hatten.  Als erstes stand das Kulturzentrums Kumasis auf dem Plan. Ähnlich wie der Central Market stellt ist dieser Ort eine kleine Welt für sich selbst, jedoch ein sehr viel entspanntere.  Innerhalb des Kulturzentrums gibt es verschiedene Werkstätten und Shops in denen es so gut geht wie alle traditionellen ghanaischen Produkte gibt. Das coole dabei ist, dass die Sachen alle von den Leuten dort vor Ort selber produziert werden und man so natürlich viele Fragen über die Herstellung oder andere Sachen stellen oder wenn man Glück hat auch selber dabei zu sehen, wie solche Sachen gemacht werden. Darüber hinaus liefen wir außerdem zufällig an zwei Trommelkursen vorbei und hatten so die Möglichkeit deren sehr gute und ins Ohr gehende Musik anzuhören 




Am nächsten Tag ging es dann für uns nochmal zum Central Markt, weil sich einige von uns Stoffe holen wollten. Das mit den Stoffen hier ist nämlich wirklich cool, da es wunderschöne afrikanische Stoffe gibt, die man normalerweise in Europa niemals sieht. Wenn man dann einen Stoff gefunden hat, kauft man sich die gewünscht Anzahl an „yards“  von dem Stoff (je nachdem ob man z.B. eine Hose, ein Hemd oder was anderes will). Diesen bringt man dann zu einer Schneiderin oder einem Schneider und diese/dieser macht einem maßgeschneidert das, was man haben will. 

So sieht's aus, wenn man es auf dem Markt kauft...

Und so, wenn es dann fertig ist :)

Da wir nach diesen zwei Sachen jedoch noch nicht genug hatten, sind wir dann noch weiter zum Manhyia Palace, der Palast der Ashanti, gegangen. Dort wurde nämlich vor wenigen Jahren der alte Palast, der jetzt durch einen neuen in seiner Funktion ersetzt wurden ist, zu einem Museum um dekoriert. Unsere Führung war wirklich sehr interessant und später wussten wir genau darüber Bescheid, wie bei den Ashantis z.B. die Königin oder der König bestimmt werden, was ihr Aufgaben sind und wir das Leben der Königsfamilie so aussieht. Des Weiteren hatte die Führung quasi einen speziellen ghanaischen „Touch“, da leider gerade Stromausfall war und somit kein Licht da war. Für unseren Führer kein Problem! Dieser nahm einfach eine Taschenlampe mit und gab mir eine weitere in die Hand und schon konnte unsere Führung los gehen…

Hat schon was königliches, oder? (lach)
Nachdem wir an diesem Tag somit einiges gesehen hatten, gingen wir zu unserem Hostel zurück und konnten uns am nächsten Tag mit guten Gewissen auf den Rückweg machen.  
Weihnachten

Jeder kennt es: Kurz nach Halloween sieht man schon die ersten Schokoladen Weihnachtsmänner in den Supermärkten, dann zum ersten Mal über den Weihnachtsmarkt schlendern, in den letzten Tagen vor Weihnachten noch schnell die letzten Geschenke kaufen und vielleicht auch draußen im Schnee spielen… Ja, all dies verbinden wir mit der Weihnachtszeit und während dieser Zeit kommt man immer mehr in Weihnachtstimmung. Diese sollte dieses Jahr bei mir irgendwie nicht so richtig aufkommen. 
Es fällt einem eher gesagt ziemlich schwer, immer wieder zu realisieren, dass ja bald Weihnachten vor der Tür steht, wenn es draußen 30-35 Grad (oder noch heißer) ist, man sich die kurzen Hosen anzieht, wenn man raus geht, und man am Wochenende mit den Freunden an Strand geht, um zu schwimmen.  So erging es mir auf jeden Fall in den Wochen vor Weihnachten. Wenn man zufällig mal an einem Laden mit einem kleinen Weihnachtsbaum vorbei lief oder am Sonntag die Glückwünsche zum ersten,  zweiten, dritten und vierten Advent von zu Hause bekommt, dann merkte man erst richtig, dass es ja schon wieder soweit ist. Dies aber bedeutet nicht, dass ich nicht dennoch eine sehr schöne Weihnachtszeit hatte. Ganz im Gegenteil:
Eine Woche vor Weihnachten wurden wir vom Goethe Institut zu deren Weihnachtsfeier eingeladen, welche von einer Freiwilligen aus Deutschland organisiert wurden ist. Als wir dort ankamen konnten wir unseren Augen kaum trauen. Frisch gebackene Waffeln, Vanillekipferl und sogar Lebkuchen. Was aber noch viel interessanter und beeindruckender war, war, dass wir uns mit Ghananern auf Deutsch unterhalten haben. Ja, auf Deutsch! Im Goethe Institut lernen nämlich einige Ghanaer Deutsch, da sie vor haben z.B. in Deutschland zur Uni zu gehen. Obwohl manche von ihnen erst seit einem Jahr deutsch lernten, waren ihre Sprachkenntnisse wirklich beeindrucken und wir konnten leicht eine ganze Unterhaltung führen. Nachdem wir uns alle mit den Leckereien  mehr oder weniger vollgestopft hatten, guckten wir uns anschließend das kleine Weihnachtskonzert an. Zuerst trat ein ghanaischer Chor auf und anschließend sangen alle Anwesenden zusammen deutsche Weihnachtslieder wie „Stille Nacht“ oder „Oh Tannenbaum“. Nachdem das Singen vorbei war, wurden sogar noch mehr Lebkuchen rausgeholt und es gab dazu Kinderpunsch und Glühwein! 


Da meine Familie selber dieses Jahr nichts zu Weihnachten gemacht hat, fuhr ich am 24. zu der Familie von Paul, ein anderer Freiwilliger, da dessen Familie ein großes Familienfest veranstaltete und dazu auch wir Freiwilligen eingeladen waren. Als ich ankam, wurden gerade die letzten Vorkehrungen getroffen, aber mir wurde erzählt, dass schon seit Tagen die ganze Zeit an dem Essen gearbeitet wurde. Und dieses hatte es dann auch wirklich in sich. Es gab alle bekannten ghanaischen Gerichte und die „Groundnutsoup“, eine Soße aus Erdnüssen, die sehr lange zubereitet wurde, war wie das Paradies auf Erden (lach).  Generell war die Stimmung sehr feierlich  und alle amüsierten sich prächtig. So wurde dann noch ein bisschen getanzt und sich den ganzen Abend über unterhalten, bis alle mit vollem Magen schlafen gingen. 

Am nächsten Tag machte ich mich dann  auf nach Hause, um meiner Gastfamilie meine Weihnachtsgeschenke zu geben.  Es ist hier nämlich nicht so wie in Deutschland, dass Heiligabend besonders gefeiert wird, sondern Weihnachten selber, also der 25.12, ist der große Feiertag und somit spielen sich die meisten Feierlichkeiten an diesem Tag ab. Meine Familie war wirklich total überrascht, dass ich für sie ein paar Geschenke hatte und sie habe sich sehr darüber gefreut. 
Am Nachmittag bin ich dann zu Annika und Sarahs Familie gefahren, da die beiden geplant hatten für ihre Familie eine Art deutsches Weihnachtsessen zu machen und ich, trotz meiner linierten Kochfähigkeiten, machte mich so nützlich wie möglich und packte in der Küche mit an. Nach einigen Stunden harter Arbeit hatten wir dann ein wirklich schönes dreigängiges Essen hergezaubert! So gab es unter anderem gefülltes Omelett, Nudelsalat und am Ende eine Art Schoko-Fondue. Bevor wir aber mit dem Essen anfingen, wurde erst noch die Weihnachtsgeschichte vorgelesen und dann sogar diskutiert. Dies war wirklich sehr interessant. Zu unserer aller Freunde schienen den Ghanaern unser Essen sehr zu schmecken. Der restliche Abend wurde dann zusammen verbracht. Am nächsten Morgen besprachen Annika, Sarah und ich dann noch unsere nächste Reise, über die ihr in meinem nächsten Eintrag mehr lesen werdet. 



Im Großen und Ganzen hatte ich also ein sehr schönes Weihnachtsfest und generell eine schöne Weihnachtszeit. Und ich muss wirklich sagen, Weihnachten bei um die 30 Grad, daran könnte ich mich gewöhnen...;)

1 Kommentar:

  1. Bis auf das Wetter ist Weihnachten wohl überall gleich: viel essen und trinken und mit Familie oder Freunden zusammen feiern��hier in Osttirol haben wir tagsüber -2° und nachts -15°, also genieße die Wärme

    AntwortenLöschen